Auszüge aus "Die Chronik Hessens"

Herausgeber Eckhart G. Franz, Copyright Chronik Verlag, Dortmund 1991

Um 1125. Die Seit 1117 belegten Grafen von Laurenburg bauen ihre künftige Stammburg Nassau an der Lahn.

Mainzer Truppen zerstören Wiesbaden

April 1242. Im Rahmen des von Erzbischof Siegfried III. von Mainz geführten Kampfes gegen die Staufer wird die königliche Stadt Wiesbaden im Handstreich eingenommen und schwer zerstört.
Obwohl sich der Großteil der Besitz- und Herrschaftsrechte im sog. Königssondergau, auch die Burg, der vormals königliche Fronhof und die Kirche in Wiesbaden, in den Händen der um den Ausbau ihrer Herrschaft bemühten Grafen von Nassau befanden, legte die Bürgerschaft Wert auf ihre Stellung als Reichsstadt. Kaiser Friedrich II. unterstrich diese Position, als er 1236 hier das Pfingstfest feierte.
Den Mainzer Angriff im Frühjahr 1242 führt der kriegerische Viztum des Bistums Worms, Berthold von Metz, der Bruder des Probstes Burkhard von Weilburg. Beim anschließenden Versuch der Bischöflichen, auch die vom Oppenheimer Reichsschultheißen Marquard verteidigte staufische Feste Kastel einzunehmen, erleiden sie allerdings eine Schlappe, zumal die Rheinflotte der Wormser Bürgerschaft den Belagerten zu Hilfe kommt. Der Sonderstellung Wiesbadens als Reichsstadt ist allerdings mit der Zerstörung ein Ende gesetzt.

Grafen von Nassau teilen Familienerbe

16. Dezember 1255. Die Grafenbrüder Walram II. und Otto I. von Nassau vereinbaren aufgrund der schwierigen politischen Lage eine Teilung ihres Erbbesitzes. Mit dem beginnenden Machtverfall der Staufer zu Beginn des 13. Jahrhunderts wuchsen die Spannungen mit den umliegenden Territorialgewalten, vor allem den mächtigen Erzbischöfen von Köln, Trier und Mainz. Die nassauischen Gebiete nördlich der Lahn mit Siegen, Dillenburg und dem Westerwald fallen an Otto, die Gebiete südlich der Lahn mit Idstein und Weilburg an Walram, der wenig später auch Wiesbadenb erhält. Die Geschichte des Hauses Nassau begann mit den im 10.Jahrhundert an der unteren Lahn ansässigen Grafen von Laurenburg und von Arnstein. Seit dem 12. Jahrhundert nennen sie sich nach der neuen Stammburg Nassau. Aufgrund der Verwandtschaft mit Erzbischof Adalbert I. von Mainz aus dem Hause der Grafen von Saarbrücken erwarben sie Vogteirechte in Bleidenstadt, im Raum Idstein und um Limburg. Sie besitzen weitere Vogteirechte in Siegen und konnten, vermutlich als Miterben der hessischen Grafen Werner in Weilburg, im Dill- und Edergebiet und im Breidenbacher Grund Fuß fassen. Als Lehen der Landgrafen von Thüringen erhielten sie Besitz in der Herborner Mark und im Westerwald. Den guten Beziehungen zu den Stauferkaisern, vor allem zu Friedrich Barbarossa, verdankten sie die Verleihung des Reichshofs Wiesbaden. Die Grafen nahmen aktiv an der staufischen Reichspolitik teil und begleiteten den Kaiser auf seinen Italienzügen. Die Teilung von 1255 spaltet das Haus Nassau auf Dauer in zwei Hauptstämme, die später noch vielfältig weiter aufgesplittert werden. Erst mit dem Ende des Alten Reichs 1806 kommt es durch Zusammenfassung der Stammländer zur Ausbildung eines geschlossenen Territoriums.

Graf von Nassau wird deutscher König

5. Mai 1292. Adolf von Nassau, der Sohn von Graf Walram und Gräfin Adelheid von Katzenellenbogen, wird in Frankfurt von den versammelten Fürsten des Reiches als Nachfolger Rudolfs von Habsburg zum deutschen König gewählt.
Nach dem Tod Rudolfs am 15. Juli des Vorjahrs konnten sich die Kurfürsten, die eine Erbmonarchie der Habsburger verhindern wollten, lange nicht auf einen Nachfolger einigen. Graf Adolfs Kandidatur vertrat vor allem Erzbischof Siegfried von Köln aus dem mit den Nassauern verwandten Haus der Grafen von Westerburg. Seit seiner Niederlage bei Worringen 1288 kämpfte er für eine Stärkung der Territorialfürsten. Um die Stimmen der übrigen Kurfürsten zu gewinnen, mußte Adolf weitreichende Versprechungen machen. Acht Wochen nach der Wahl wird König Adolf durch den Kölner Erzbischof in Aachen gekrönt. Er versucht in den Folgejahren, sich von der Bevormundung der Kurfürsten zu lösen. Die schmale Machtbasis eines Grafen von Nassau läßt allerdings eine energische Reichspolitik kaum zu. Adolf erreicht zwar ein außenpolitisches Bündnis mit König Edward I. von England. Doch als er versucht, sich mit englischen Hilfsgeldern in Thüringen eine Hausmacht aufzubauen, verbündet sich der Mainzer Kurfürst Gerhard von Eppstein mit Böhmen, Sachsen und Brandenburg, um ihn zu stürzen und den Habsburger Albrecht an seine Stellen zu setzen. Auf Adolfs Seite steht schließlich nur noch sein Schwiegersohn, Kurfürst Rudolf von der Pfalz. Im Juni 1298 setzen ihn die Kurfürsten ab. In der Schlacht bei Göllheim am 2. Juli verliert Adolf Krone und Leben. Das Haus Nassau ist gleichwohl stolz auf Adolfs Königswürde. Noch im 16. Jahrhundert dient sie als Legitimation für das Eingreifen der Nassauer gegen die Habsburger Herrschaft in den Niederlanden.

8. 8. 1329. Die Stadt Wiesbaden erhält ein kaiserliches Münzprivileg.

Nassau kontrolliert Rheinübergang

1. Juni 1336. Kaiser Ludwig der Bayer belohnt den Grafen Gerlach von Nassau für seine Verdienste um den Kaiser und das Reich mit der Übertragung der Fährrechte im nassauischen Biebrich. Die Grafschaft Nassau besitzt damit einen der wichtigsten Übergänge am ehemals brückenlosen Mittelrhein und kontrolliert von der Metropole Mainz den über den Taunus ostwärts führenden Fernverkehr.

7. 4. 1346. Papst Klemens VI. ernennt den Mainzer Domdekan Graf Gerlach von Nassau zum Erzbischof von Mainz. Der gleichzeitig abgesetzte Erzbischof Heinrich von Virneburg behauptet sich bis zu seinem Tode 1353 in Eltville.

Friedberger Turm mit Lösegeld finanziert

Ende 1347. Die Friedberger Burgleute pressen dem gefangengenommenen Grafen Adolf von Nassau-Wiesbaden ein hohes Lösegeld ab, um damit zum besseren Schutz ihrer Burg als zweiten Bergfried den sogenannten Adolfsturm zu errichten.
Graf Adolf, der Bruder des Mainzer Erzbischofs Gerlach, fiel den Burgleuten und den mit ihnen verbündeten Stadtbürgern im Verlauf eines Scharmützels nördlich der Stadt in die Hände. Hintergrund des Konflikts ist der Machtkampf zwischen Kaiser Ludwig dem Bayern und seinem luxemburgischen Gegner, König Karl von Böhmen. Burg und Stadt standen treu zu dem vom Papst gebannten Kaiser, während die Nassauer Grafen trotz früherer Förderung durch den Wittelsbacher ins Lager Karls überwechselten.
Nach dem plötzlichen Tod Kaiser Ludwigs im Oktober glaubte der kriegerische Adolf, mit den Friedbergern leichtes Spiel zu haben, unterschätzte aber ihre Widerstandskraft. Mit der kurz zuvor vereinbarten Verpfändung der Stadt an Kraft von Hohenlohe hatte König Karl selbst zum engeren Zusammenrücken von Burgleuten und Bürgern beigetragen, obwohl beide Gruppen seit Jahrzehnten zerstritten waren. Der mit Lösegeld erbaute Adolfsturm, einer der imposantesten Bergfriede Deutschlands, überragt den alten Südturm. Er wird mit seiner charakteristischen "Butterfaß-Form", dem Kegelhelm, den beiden zinnenbekränzten Wehrgängen und den Erkerausbauten zum weithin sichtbaren Wahrzeichen Friedbergs.

1355. Die walramsche Linie der Grafen von Nassau teilt sich erneut. Die damit entstehenden Hauptlinien Nassau-Wiesbaden-Idstein und Nassau-Weilburg-Saarbrücken kommen erst 1629 wieder zusammen.

Ritterschaft organisiert sich in Bünden

11. November 1362. Bei einem Martinsschmaus auf Burg Stockheim bei Usingen vereinbaren sieben Wetterauer Adlige die Gründung einer Rittergesellschaft.
Der gegen das geltende Einungsverbot auf zunächst fünf Jahre abgeschlossene Bundesbrief verpflichtet die Mitglieder zu wechselseitiger Waffenhilfe im Fehdefall und gemeinsamer Wahrnehmung ihrer Interessen. Der jährlich gewählte Hauptmann soll die Gesellschaft zweimal im Jahr zusammenrufen.
Die nach dem Vorbild der Städtebünde gebildeten Rittergesellschaften, in denen sicher auch das gesellige Element eine Rolle spielt, richten sich zunächst gegen den wachsenden Druck der fürstlichen und gräflichen Territorialherren. Sie verändern sich zu politischen Regionalverbänden, als in spätere Bünde auch die Grafen und Fürsten eintreten, um die Einungen für ihre Machtkämpfe einzusetzen.
Wichtiger als die nach ihrem Gründungstag benannten "Martinsvögel" von Stockheim werden in den 1370er Jahren die nach dem Stern-Wappen der Ziegenhainer benannte Gesellschaft der "Sterner", die von Graf Johann von Nassau-Dillenburg angeregte Gesellschaft "Zur Alten Minne" und die wieder stärker auf das ritterliche Interesse ausgerichtete Gesellschaft "vom Horne". Dieser 1378/79 gegründete Verband besteht aus rund 200 Adligen aus Hessen und dem Lahntal. Zu seinen Mitgründern zählt der schon an den Martinsvögeln beteiligte Erwin von Trohe.
Wetterauer Ritter, die Kronberger und Reifenberger, die von Rodenstein und von Sachsenhausen, bilden auch den Kern des am 13. Oktober 1379 in Wiesbaden gegründeten "Löwenbundes", an dem die Grafen von Nassau und Katzenelnbogen beteiligt sind. Die Mitgliedschaft der "Löwen" reicht rheinaufwärts bis in die Schweiz, an den Niederrhein und nach Thüringen.

26. 9. 1366. Kaiser Karl IV. erhebt Johann von Nassau-Weilburg zum gefürsteten Grafen. Im Auftrag seines Bruders, Erzbischof Gerlach von Mainz, versieht Johann das Amt des mainzischen obersten Amtmanns in Hessen und Thüringen sowie auf dem Eichsfeld.

3. 2. 1368. Der Junge Landgraf Hermann II. von Hessen heiratet Johanna von Nassau und erreicht damit den Verzicht des Brautvaters Graf Johann auf die nassauischen Pfandrechte an der Stadt Gießen. Die als nassauischer Vorposten errichtete Burg Kirchberg wird zerstört.

4. 4. 1378. Landgraf Hermann II. kann die Fehde, die von Graf Johann von Nassau-Dillenburg mit seinem Ritterbund "Von der alten Minne" angefacht wurde, gütlich beilegen.

Grafschaft Nassau erbt Saarbrücken

1381. Nach dem Tod des letzten Grafen von Saarbrücken fällt sein reicher Besitz im Erbgang an Graf Philipp von Nassau-Weilburg, ein wichtiger Erfolg für die Territorialpolitik der nach ihrem Begründer "walramisch" genannten Linie des geteilten Hauses Nassau.
Der Erbfall kommt nicht unerwartet. Graf Johann von Nassau hatte schon 1353 die Saarbrücker Erbtochter Johanna geheiratet. Johann nutzte die politischen Möglichkeiten, die ihm das gute Verhältnis zu seinem Bruder, dem damals in Mainz regierenden Kurfürsten, Erzbischof Gerlach, bot. Als ihn Gerlach 1354 zum obersten Amtmann über die mainzischen Besitzungen in Hessen, Thüringen und auf dem Eichsfeld bestellte, schien es, als wollten die Nassauer sich eine zusätzliche Hausmacht in Mitteldeutschland aufbauen. Johanns Stellung wurde weiter gestärkt, als ihn Kaiser Karl IV. 1366 zum gefürsteten Grafen erhob.
Nach Johanns frühem Tod 1371 verstand es seine Witwe als Regentin, dem minderjährigen Sohn Philipp den größeren Teil der Stammlande, vor allem aber den Anspruch auf ihr Saarbrücker erbe zu sichern.
Die Verbindung Saarbrückens mit Nassau prägt die künftigen Geschicke des damit wieder stärker ins Reich eingebundene Saarlandes.

24. 6. 1382. Graf Rupert von Nassau schließt sich dem großen Rheinischen Städtebund an und bewegt im Herbst auch die Wetterauer Städte Friedberg, Gelnhausen und Wetzlar zum Beitritt. Er selbst fungiert als kaiserlicher Landvogt der Wetterau.

Nassauer benutzen Wiesbaden als Pfand

25. August 1393. Erzbischof Konrad von Mainz entläßt die ihm verpfändete Stadt Wiesbaden nach Rückzahlung ihres Darlehens aus der Pfandherrschaft. Graf Walram IV. von Nassau bestätigt den Bürgern ihre überkommenen Rechte und verpflichtet sie zur Bewachung von Toren und Mauern.
Die einstige Reichsstadt war bereits mit der Zerstörung im April 1242 an die Nassauer gefallen. Die Berufung Gerlachs von Nassau zum Mainzer Erzbischof führte 1348 zur Bestätigung der nassauischen Herrschaft durch König Karl IV. In Finanznöten verpfändete Walram von Nassau Wiesbaden für 8000 Gulden an den neuen Erzbischof Konrad von Weinsberg. Weiterer Geldbedarf zwingt Graf Adolf II. schon 1394 zu erneuter Verpfändung. Erst als mit Johann II. der dritte Nassauer Erzbischof wird, kann die Gefahr des Verlusts an Mainz gebannt werden.

21. 11. 1411. Landgraf Hermann II. von Hessen und die Grafen von Katzenelnbogen schließen ein Bündnis gegen Kurfürst Johann von Mainz und seine nassauischen Verwandten.

23. 9. 1419. Der Tod des Mainzer Erzbischofs Johann II. von Nassau beendet die künftig nicht mehr verliehene Reichslandvogtei in der Wetterau.

Lockere Sitten in Wiesbadens Bädern

Um 1419. Herzogin Maria von Kleve und ihre Schwägerin Katharina machen "um ihrer Not und Krankheit willen" eine Badekur in Wiesbaden. Die Grafen und Fürsten der Umgebung, die Nassauer, die Landgrafen von Hessen und selbst die Kaiser sind in den Folgejahren wiederholt als Kurgäste bezeugt.
Die Badefreuden beschränken sich jedoch nicht auf den Adel. Allein der große Kochbrunnen oder "Brühborn" speist ein rundes Dutzend Badehäuser mit jeweils zwei Badebecken, die von Männern und Frauen gemeinsam benutzt werden. Daß das Baden auch dem geselligen Vergnügen dient, bezeugen wiederholte Klagen der Theologen über ausschweifende Festlichkeiten in den Badehäusern.

8. 9. 1434. Graf Johann von Nassau gestattet Heme Beust den Bau einer Eisen-Hammerhütte bei Eßenroth.

18. 6. 1459. Das Mainzer Domkapitel wählt Dieter von Isenburg gegen seinen Kontrahenten Adolf von Nassau zum neuen Erzbischof und Nachfolger des verstorbenen Dietrich von Erbach.

21. 8. 1461. Die mit der Absetzung Dieter von Isenburgs verbundene Berufung seines Gegenspielers Adolf II: von Nassau zum Erzbischof von Mainz eröffnet die "Mainzer Stiftsfehde".

Mainzer Fehde ruiniert das Erzstift

5. Oktober 1463. Der Friedensvertrag von Zeilsheim bei Frankfurt beendet die sogenannte Mainzer Stiftfehde zwischen Dieter von Isenburg und Adolf von Nassau. Adolf wird als der rechtmäßige Erzbischof von Mainz anerkannt. Der Vertrag kostet das vom kriegverwüstete Erzstift große Teile seiner Besitzungen in Hessen und an der Bergstraße.
Ausgangspunkt des Konflikts war die Erzbischofswahl von 1459, in der die Mehrheit des Mainzer Domkapitels für Domkustos Dieter, den Bruder Graf Ludwigs II. von Isenburg-Büdingen stimmte. Aus Furcht vor der nassauischen Vormachtstellung entschied das Kapitel sich damit gegen den Bruder des zum Viztum (Verwalter) im Rheingau bestellten Grafen von Nassau-Wiesbaden. Da sich Dieter gemeinsam mit Kurfürst Friedrich dem Siegreichen von der Pfalz an die Spitze eines Fürstenbundes gegen Kaiser Friedrich III. stellte, gewann sein Gegner Adolf die Unterstützung von Kaiser und Papst, der Dieter 1461 bannte und absetzte.
In der damit offen ausgebrochenen Fehde stand Landgraf Heinrich III. von Oberhessen gemeinsam mit seinem Schwiegervater Philipp von Katzenelnbogen und Kurfürst Friedrich auf seiten Dieters, während Landgraf Ludwig II. von Niederhessen Adolf unterstützte. Gewinner des Streits sind die Bundesgenossen beider Parteien, da der Friede auch die Gewinne der unterlegenen Partei bestätigt: Den Pfandbesitz an der Bergstraße für Kurpfalz und den Gernsheimer Rheinzoll für Katzenelnbogen.

9. 5. 1480. Nach dem Tod Graf Johanns von Nassau regieren seine Söhne gemeinsam: Philipp in Idstein, Adolf III in Wiesbaden, das damit ständige Residenz wird.

12. 9. 1487. Gegen den Protest der Grafen von Nassau nehmen die Landgrafen von Hessen Katzenelnbogen in die die hessisch-sächsische Erbverbrüderung auf:

31. 10. 1526. Erhard Schepf reformiert in Nassau-Weilburg. Auch die Grafschaft Waldeck wird evangelisch.

1530. Graf Rene von Nassau-Breda erbt zu den im 15. Jahrhundert erworbenen niederländischen Besitzungen der Nassau-Dillenburger das Fürstentum Orange in Südfrankreich, das im deutschen Titel "Oranien" heißt.

1537. Die "Instruktion für einfältige Pfarrherrn und Kirchendiener" vollendet die 1532 begonnene Einführung der Reformation in Nassau-Dillenburg.

1. 1. 1543. Mit Zustimmung des altgläubigen Grafen Philipp von Nassau-Idstein wird der aus Schwaben stammende Johann Denthener zum ersten evangelischen Pfarrer in Wiesbaden bestellt.

25. 4. 1547. Die von kaiselichen Truppen besetzte Stadt Wiesbaden geht in Flammen auf.

3. 8. 1548. Graf Wilhelm I. von Nassau-Dillenburg nutzt die Gefangenschaft Landgraf Philipps, um sich durch Urteil des Reichskammergerichts seine auf Landgraf Wilhelm III. zurückgeführten Erbansprüche auf Oberhessen und die Grafschaft Katzenelnbogen bestätigen zu lassen.

30. 6.1557. Der Frankfurter Vertrag zwischen Landgraf Philipp und Graf Wilhelm von Nassau-Dillenburg beendet den Katzenelnbogener Erbfolgestreit mit dem hessischen Verzicht auf Diez.

Prinz von Nassau in den Niederlanden

14. April 1568. In Dillenburg übertragen Abgesandte der aufständischen niederländischen Provinzen Prinz Wilhelm von Nassau-Oranien die Führung ihres Kampfes gegen König Philipp II. von Spanien.
Der älteste Sohn Graf Wilhelms des Reichen von Nassau-Dillenburg erbte mit dem niederländischen Besitz seines Vetters Rene auch das Fürstentum Orange in der Provence, nach dem sich die "Oranier" künftig nannten. Am Hof Kaiser Karls V. in Brüssel aufgewachsen, selbst Feldherr in spanischen Diensten, wurde Wilhelm dann zum Wortführer der Opposition.
Bei der trotz militärischer Rückschläge letzlich erfolgreichen Führung des niederländischen Aufstands wird Wilhelm von Oranien von den deutschen Verwandten, insbesondere dem Bruder Johann VI. in Dillenburg, unterstützt. Auch nach seiner Ermordung 1584 bleiben die Nassauer weiterhin Erbstatthalter der Niederlande.

22. 3. 1587. Der in Driedorf verstorbene Rat Gottfried Hatzfeld hinterläßt eine "Chronik des Hauses Nassau".

1594/95. Graf Johann VII. verfaßt ein "Verteidigungsbuch für die Grafschaft Nassau", das die Grundzüge des von seinem Vater zur "Landesdefension" entwickelten Milizsystems zusammenfaßt.

November 1595. Mit dem Regierungsantritt des unter nassauischer Vormundschaft (Stiefvater Johann VII. von Nassau-Dillenburg) erzogenen Junggrafen Philipp Ludwig II. und dessen 1596 vereinbarte Heirat mit Katharina Belgia, der Tochter Wilhelms von Oranien, wird Hanau endgültig calvinistisch.

Neues Stadtschloß in Wiesbaden verwaist

1599. In Wiesbaden wird nach insgesamt fünf Jahren Bauzeit der Renaissancebau des neuen Stadtschlosses fertiggestellt.
Der Auftraggeber des Neubaus, Graf Johann Ludwig I. von Nassau-Wiesbaden-Idstein, erlebte den Abschluß der Bauarbeiten nicht mehr. Er starb bereits 1596, erst 29jährig. Hauptresidenz seiner Linie war Idstein. In der Burg Idstein, die 1102 erstmals erwähnt wurde, residierten die Grafen seit 1355.
Das neue Reaissance-Stadtschloß in Wiesbdaen, das neben der mittelalterlichen Burg liegt, ist bereits nach wenigen Jahren verwaist. Mit dem Tod des noch unmündigen Erben Johann Ludwig II. im Sommer 1605 wird Graf Ludwig II. von Weilburg-Saarbrücken Alleinherr der nassau-walramischen Lande. Den Versuch des Mainzer Kurfürsten Wiesbaden an sich zu ziehen, kann er abwehren. Doch Sitz der neuaufgebauten Zentralverwaltung des im Gegensatz zu Nassau-Dillenburg lutherisch gebliebenen Territoriums ist künftig Saarbrücken.

5. 9. 1629. Graf Johann Ludwig von Nassau-Hadamar tritt mit seinem Territorium zum katholischen Glauben über.

Nassauer Graf läßt Brasilien erforschen

23. Januar 1637. Nach dreimonatiger Seereise landet der zum niederländischen "Gouverneur, Kapitän und Generaladmiral von Brasilien" bestellte Graf Johann Moritz von Nassau in Pernambuco.
Die Niederländisch-Westindische Companie eroberte im Kampf mit Spaniern und Portugiesen ein eigenes Kolonialgebiet, das der kriegserfahrene Nassauer militärisch sichern soll. Der jüngere Sohn Graf Johanns VII. von Nassau-Dillenburg-Siegen studierte am Collegium Mauratianum in Kassel, ehe er 1620, mit 16 Jahren, ins Heer der Generalstaaten eintrat.
Nach Brasilien reist er mit einem großen Gefolge von Geographen, Naturwissenschaftlern und Künstlern, die das neue Land erforschen und beschreiben sollen. Dazu gehören die Brüder Post: Der Architekt Pieter, der den Plan der 1639 begründeten Stadt Mauritiopolis/Recife entwirft, und der Malern Frans, der die von Leibarzt Willem Piso und Georg Marggraf verfaßte "Historia Naturalis Brasiliaé" illustrierte. Johann Moritz kehrt 1644 nach Europa zurück, wird brandenburgischer Statthalter im niederrheinischen Kleve und gründet 1655 die Universität Duisburg.

Mit Fürstentitel belohnt

31. Oktober 1650. Kaiser Ferdinand III. verleiht dem Grafen Johann Ludwig von Nassau-Hadamar die erbliche Reichsfürstenwürde mit Sitz und Stimme im Reichstag. Die Standeserhöhung, um die sich die Nassauer schon lange bemüht haben, belohnt die Verdienste Johann Ludwigs um das Zustandekommen des Westfälischen Friedens.
Johann Ludwig, der aus der dritten Ehe Johanns VI. von Nassau-Dillenburg stammte, unternahm in seiner Jugend eine Bildungstour an die größeren Höfe Europas. Er erwies sich frühzeitig als guter Diplomat. Bei der Erbteilung 1607 erhielt er Hadamar. Gebietserwerbungen während des Dreißigjährigen Krieges verstärkten die zunächst schwache wirtschaftliche Basis. Dabei half das gute Verhältnis zum Kaiser, das der Übertritt zum katholischen Glauben 1629 begründete. Johann Ludwig führte sein Land der Gegenreformation zu. Hadamar wurde zur standesgemäßen Residenz ausgebaut. Nach dem Friedensschluß bemüht er sich tatkräftig um den Wiederaufbau seines Territoriums, stirbt aber bereits 1653. In den Folgejahren werden auch andere Linien des Hauses gefürstet.

6. 3. 1651. Die Söhne Graf Wilhelm Ludwigs von Nassau vereinbaren die Teilung des walramischen Erbes auf die Linien Nassau-Wiesbaden-Idstein, Nassau-Weilburg und Nassau-Saarbrücken.

Jesuiten-Gymnasium in Hadamar gestiftet

3. Oktober 1652. Fürst Johann Ludwig von Nassau beurkundet die Stiftung eines Gymnasiums in seiner Residenzstadt Hadamar.
Das neue Gymnasium greift auf die Tradition einer Lateinschule zurück, die in Hadamar schon in vor-reformatorischer Zeit bestand. Mit Einführung der Gegenreformation in Nassau-Hadamar 1629/30 war die bis dahin bestehende Schulordnung in Verfall geraten. Krieg und wirtschaftliche Not des Landes behinderten den Neuaufbau eines rekatholisierten Schulwesens.
Erst mit der Berufung des Jesuitenordens gelingt die Neueinrichtung einer höheren Lehranstalt, die vom bildungseifrigen Johann Ludwig angeregt wurde. Der Unterricht ist eine der Domänen der Jesuiten. Auf dem Stundenplan des nur von Knaben besuchten Gymnasiums stehen neben der religiösen Unterweisung lateinischer und griechischer Sprachunterricht, aber auch die Aufführung von Dramen.

Rubens-Schüler in Idstein

1678. Nach sechsjähriger Arbeit vollenden die niederländischen Maler Michael Angelo Immenraed und Melchior Bencard die Ausmalung der neugestalteten lutherischen Hofkirche in Idstein. Die in Antwerpen angeworbenen Maler gehören zur Schule von Peter Paul Rubens. Die Idsteiner Stiftskirche wurde 1665-77 unter Graf Johann von Nassau-Idstein zur Predikt- und Hofkirche umgebaut. Der gräfliche Auftraggeber starb vor der Fertigstellung des Kunstwerkes.

4. 8. 1688. Die walramischen Grafen von Nassau-Idstein, Nassau-Weilburg und Nassau-Usingen erhalten die Reichsfürstenwürde.

19. 3. 1702. Der Tod Wilhelms III. aus dem Haus Nassau-Oranien, der Seit 1688 als König in England regiert, führt zu Erbauseinandersetzungen im Hause Nassau.

Dillenburg durch Feuerbrunst zerstört

14. Mai 1723. Bei einem Brand in Dillenburg wird ein großer Teil der Stadt zerstört. Die Flammen griffen vom Dach eines kleinen Hauses in der Hintergasse rasch auf die Nachbarstraßen über. Eine junge Kindesmörderin, die in dem Haus auf ihre Hinrichtung wartete, gesteht, daß sie das Strohdach angesteckt hat. Sie wollte im Tumult fliehen. Vier Wochen später wird die Brandstifterin nach öffentlicher Folterung auf dem Galgenberg verbrannt.

Erbvertrag schafft klare Verhältnisse im Haus Nassau

30. Mai 1736. Die Fürsten Christian von Nassau-Dillenburg aus der ottonischen und Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken aus der walramischen Hauptlinie schließen einen Erbvertrag, dem alle Linien des Hauses Nassau beitreten.
Hauptpunkt ist das wechselseitige Erbrecht beim Aussterben einer Hauptlinie. Der Vertrag soll den Verlust von Teilen des zersplitterten territorialbestandes verhindern. So gab es um das Erbe der Oranier, das 1702 mit dem Tod König Wilhems III. von England frei wurde, eine Folge von Erbstreitigkeiten. Die Konflikte innerhalb der Familie wurden durch Konfessionsunterschiede noch verschärft.
Der Besitz der ottonischen Seite fällt 1739/42 an die niederländische Linie Nassau-Diez-Oranien, die fortan auch Dillenburg und Siegen mitregiert. In der walramischen Hälfte bestehen nach der Aufteilung des Saarbrücker Erbes 1735 die Linie Nassau-Weilburg, Nassau-Usingen und Nassau-Saarbrücken: Der Erbverein von 1783 eint alle Linien in einem "Hausdirektorium" unter Vorsitz der Oranier.

Charlotte Amalie für Reformen

11. Oktober 1738. In Biebrich stirbt Charlotte Amalie von Nassau-Usingen. Die geborene Dillenburgerin regierte nach dem frühen Tod ihres Mannes Wilhelm Heinrich von 1718 bis 1735. Umsichtig reformierte sie die innere Verwaltung und das Schulwesen ihres Landes.
Beim Ausbau der Residenzen Idstein und Biebrich fand sie die Unterstützung des Barock-Architekten Friedrich Joachim Stengel. Mit Übergabe der Regierung an ihre beiden Söhne wurde die erneute Teilung der Usinger und Saarbrücker Besitzungen festgelegt.

15. 5. 1747. Fürst Wilhelm IV. von Nassau-Diez aus der "jüngeren oranischen Linie", die seit dem Aussterben der katholischen Linie Nassau-Siegen 1743 das ottonische Erbe besitzt, übernimmt das Erbstatthalteramt der Vereinigten Nierderlande. Sitz der Verwaltung für die deutschen Gebiete wird Dillenburg.

15. 7. 1760. Das von hannoverschen Truppen besetzte Schloß Dillenburg wird bei der Belagerung durch französische Truppen in Brand geschossen und zerstört.

16. 12.1769. Fürst Carl von Nassau-Saarbrücken-Usingen erteilt ein Privileg für eine Zahlenlotto-Gesellschaft auf Aktien.

1770/1772. Zur Steigerung der wirtschaftlichen Produktivität beschränken neue Festtagsordnungen, zunächst in Nassau-Saarbrücken-Usingen, dann auch in Fulda, Erbach und den hessischen Landgrafschaften, die Zahl der staatlich anerkannten Kirchenfeiertage.

Mit Kirchengut entschädigt

10. September 1802. Hessen-Darmstädtische Truppen besetzen die kurmainzischen Amtsorte Bensheim, Heppenheim und Lorsch und das zum Bistum Worms gehörige Lampertsheim. Nassau-Usingen übernimmt den mainzischen Rheingau, Höchst und Kronberg. Ferner ergreift Nassau-Weilburg den Trierer Besitz an der Lahn mit Limburg. Erst wenige Tage zuvor wurde der "Entschädigungsplan" für die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich bekannt. Offiziell wird der "Hauptschluß" der reichsdeputation erst am 25. Februar 1803 vom Reichstag beschlossen.
Mit der schon länger geplanten "Säkularisation" werden auch die von der Reformation verschonten Klöster und Stifte kassiert. Unter die Hoheit Nassaus geraten die Klöster Eberbach und Marienstatt, Arnstein, Bleidenstadt sowie Rommersdorf. Selingenstadt und Marienschloß fallen an Hessen-Darmstadt. In Frankfurt werden die Klöster von der Stadt mit Beschlag belegt.

22. 10. 1802. Der Fuldaer Fürstbischof Adalbert von Harstall verzichtet auf sein Bistum. Dieses fällt gemäß dem Reichsdeputationshauptschluß als erbliches Fürstentum an Wilhelm Friedrich von Nassau-Oranien.
[... In Fulda regiert inzwischen Wilhelm Friedrich von Nassau-Oranien. Er ist der Schwiegersohn des Preußen-Königs. Preußische Truppen vollzogen die Machtergreifung und zwangen den letzten Fürstbischof Adalbert von Harstall am 22. Oktober 1802 zum Verzicht. Zum neugeschaffenen Fürstentum Oranien-Fulda gehören auch Kloster Corvey, das vormalige Reichsstift Herford und die weitab gelegene Reichsstadt Dortmund. ...]
[... Wilhelm Friedrich von Nassau-Oranien, von Dezember 1802 bis zum Einmarsch der französischen Truppen am 27. Oktober 1806 Fürst von Fulda, avanciert 1815 zum ersten König der Niederlande. Fulda wird 1806 "reservierte Provinz des französischen Kaiserreichs". ...]

6. 12. 1802. Der neue Fürst von Oranien-Fulda hält Einzug in seiner Hauptstadt.

Fürstliche Edikte ordnen Kompetenzen

31. August 1803. Fürst Friedrich August von Nassau-Usingen erkennt in einem Edikt für seine neuen katholischen Untertanen die volle Gleichberechtigung für alle rein kirchlichen Fragen an. Ferner verordnet der 65jährige, der erst im Mai die Regierung seines Bruders übernommen hat, daß die Besetzung der Pfarrstellen, geistliche Gerichtsbarkeit, Festtage und Prozessionen künftig der Mitwirkung des Staates unterliegen.
Zur Eingliederung der hessisch-darmstädterischen "Entschädigungslande" ergeht am 12. Oktober 1803 ein umfassendes "Organisationsedikt". Der Erlaß betrifft vor allem das bislang kurkölnische Westfalen mit Arnsberg. Hier tritt an die Spitze die Landesregierung statt des Geheimen Rats ein nach Ressorts gegliedertes Ministerium.
Im Sinne der von der Aufklärung verfochtenen Gewaltenteilung stehen neben den Provinzregierungen künftig drei Hofgerichte. Die neue Südprovinz erhält den Namen der mainzischen Starkenburg. Ebenfalls neugeschaffene Kirchen- und Schulräte sollen "auf den Kultus der verschiedenen Religionsparteien alle rechtliche Rücksicht nehmen". Amtleute, Schultheißen und Steuereinnehmer der abgelösten geistlichen Herrschaften werden zunächst übernommen.

30. 8. 1806. Aufgrund der Rheinbundakte erklären die Fürsten Friedrich August von nassau-Usingen und Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg den Zusammenschluß ihrer Staaten zu einem souveränen Herzogtum, dessen Herzogtitel der Weilburger führt.

1. 1. 1808. Im Herzogtum Nassau wird die Leibeigenschaft abgeschafft.

24. 8. 1808. Auf Befehl Napoleons werden Truppen des Großherzogtums Hessen, des Herzogtums Nassau und des Fürst von Dalberg zum Einsatz gegen Spanien in Marsch gesetzt.

29. 3. 1813. Herzog Wilhelm von Nassau genehmigt die Statuten der Ende 1812 gebildeten nassauischen "Gesellschaft für Altertumskunde".

2. 11. 1813. Großherzog Ludewig I. von Hessen schließt sich mit der Dörnigheimer Konvention der siegreichen Allianz gegen Napoleon an. Drei Wochen später vollzieht auch Nassau den fälligen Frontwechsel.

Nassau gibt wegweisenden Impuls für Verfassungsidee

2. September 1814. Herzog Friedrich August und Fürst Friedrich Wilhelm von Nassau unterzeichnen das "Edikt über die landständische Verfassung". Damit erhält das Herzogtum als erster Staat des künftigen Deutschen Bundes eine moderne Repräsentativverfassung.
Seit der Rheinbundzeit existieren Pläne, die absolute Herrschaftsgewalt der deutschen Fürsten durch Verfassungen zu beschränken. Mit der Auflösung des Deutschen Reiches waren die Fürsten souverän geworden.
Der ehemalige preußische Minister Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein, jetzt Leiter der alliierten Zentralverwaltung für die befreiten Gebiete, forderte bereits im März 1814 die Verknüpfung der neuen Bundesgründung mit einzelstaatzlichen Verfassungen.
der nassauische Staatsminister Marschall spekuliert mit dem Aufgreifen der Verfassungsidee auf das Wohlwollen Steins. Letzterer ist verärgert über die Mediatisierung seiner reichsritterlichen Dörfer Frücht und Schweighausen durch Nassau und die nachfolgende Beschlagnahmung seiner Besitzungen auf Geheiß Kaiser Napoleons.
Marschall konzipiert im Frühsommer 1814 "Hauptideen zur Organisation einer landständischen Verfassung". Stein antwortet darauf mit der am 24. August verfaßten Denkschrift "Über eine ständische Verfassung im Herzogtum Nassau". Einige seiner Formulierungen werden für den neuen Verfassungstext übernommen. Dieser wird entworfen von Marschall, Hofgerichtsdirektor Harscher von Allmendingen und Geheimrat Ibell. Zu Steins Ideen gehören die grundrechtliche Garantie für "die Sicherheit des Eigentums und der persönlichen Freiheit" der Bürger mit "freier Wirksamkeit" der Justiz, vor allem aber die erweiterte Mitwirkung des Landtags an Regierung und Gesetzgebung sowie die Einrichtung einer besonderen "Herrenbank", einer Art Oberhaus für den hohen Adel. Mehrere Jahre vergehen, bis der mit der Verfassung geschaffene Landtag tätig werden kann. Die Neuorganisation der Staatsverwaltung wird bewußt ohne die verfassungsmäßige Mitwirkung der Stände geregelt. Erst Anfang 1818 ordnet Herzog Wilhelm, seit 1816 Alleinherrscher Nassaus, die notwendigen Wahlen an. Von den 287.000 Einwohnern des Landes sind kaum 0,6% wahlberechtigt: 39 adlige und 1448 bürgerliche Grundeigentümer sowie 128 "Gewerbebesitzer" Dennoch wird der Zusammentritt der ersten nassauischen Ständeversammlung am 3. März 1818 als wichtiger Fortschritt gefeiert.

7. 9. 1814. Nach den Ideen von Ernst Moritz Arndt entsteht in Idstein eine "Deutsche Gesellschaft", der Gründungen in anderen Städten folgen.

Wiener Kongreß ändert Hessens Grenzen

8. Juni 1815. Mit der Gründung des Deutschen Bundes legt der Wiener Kongreß in der "kongreßakte" die Grundlagen für die nach Aufhebung der napoleonischen Satellitenstaaten notwendige Neuordnung der innerdeutschen Grenzen fest. Die genauer Ausführung wird im Folgejahr durch bilaterale Verträge Preußens mit den beteiligten Staaten Hessens geregelt. [...]
Nassau erwirbt von Preußen größere Teile der von den Oraniern abgetretenen Nassau-Dillenburger Gebiete und der vordem kurhessischen Niedergrafschaft. Dafür verzichten die Nassauer auf ihren Besitz in den neuen preußischen Kreisen Altenkirchen, Neuwied und Wetzlar. Überraschend wird 1817 auch Hessen-Homburg wieder selbständiger Staat.

Kirchenunion kommt mit Reformationstag

31. Oktober 1817. In evangelischen Gemeinden wird die dritte Säkularfeier der Reformation festlich begangen. Der gemeinsame Jubiläums-Rückblick soll zugleich dazu dienen, die Spaltung zwischen Reformierten und Lutheranern zu überwinden.
Im Herzogtum Nassau wird das bereits am 11. August ergangene Unionsedikt über die Bildung einer gemeinsamen "evangelisch-christlichen Kirche" mit Zustimmung der betroffenen Gemeinden am Reformationstag vollzogen. Eine Denkmünze "Der Freien Stadt Frankfurt vereinigte evangelische Christen" dokumentiert die auch hier erreichte Vereinigung. Die Darmstädter Regierung läßt die in zahlreichen Gemeinden Oberhessens vereinbarten Zusammenschlüsse geschehen.

Terroranschläge provozieren Reaktion

1. Juli. 1819. Der Idsteiner Apotheker Karl Löning verübt in Bad Schwalbach einen Mordanschlag auf den nassauischen Regierungspräsidenten Karl von Ibell. Dieser überlebt das Attentat. Für Löning ist Ibell ein "Unterdrücker seines Vaterlands". Schon am 23.3. erlag August von Kotzebue einem Anschlag. Beide Attentate dienen zur Rechtfertigung staatlicher Repression.

15. 6. 1820. Das Herzogtum Nassau übernimmt das von Hugo Freiherr Schütz von Holzhausen begründete Taubstummenlehrinstitut in Camberg.

1822/23. Der Wiesbadener Kochbrunnen erhält eine neue Fassung. Auch die übrigen Kur- und Badeanlagen werden ausgebaut und modernisiert. Eine 1823 erschienene Schrift von Georg Chr. Rullmann wirbt für "Wiesbaden und seine Heilquellen".

Mai 1823. Herzog Wilhelm von Nassau legt den Grundstein für das von Hofbaudirektor Friedrich Ludwig Schrumpf entworfene Jagdschloß Platte bei Wiesbaden.

24. 8. 1823. Brunnenkommissar Ludwig Gräser berichtet über den Erfolg der neuen Abfüllanlagen für Selterswasser aus Niederselters.

1826. Der von Schülern der nassauischen Militärschule erarbeitete Plan der Stadt Wiesbaden zeigt die weitgehende Vollendung der Stadterweiterung.

8. 12. 1827. Herzog Wilhelm von Nassau unterzeichnet die Gründungsurkunde für das nassauische Landesbistum Limburg.

17. 6. 1828. Die Wiesbadener Regierung gibt die im "Generalbauplan" des verstorbenen Landbaumeisters Christian Zais als südliche Fassade der Haupt- und Residenzstadt vorgesehene Adolphstraße zur Bebauung frei. Auf Wunsch des Herzogs heißt sie künftig "Rheinstraße".
Der 1826 veröffentliche Stadtplan läßt erkennen, daß das Zaissche Konzept von 1818, wonach die alte Badestadt mit einem Fünfeck moderner Straßen umzogen werden soll, inzwischen weitgehend verwirklicht ist. Ab 1822 läuft der Ausbau der Louisenstraße, der nun die neue Alle vorgelagert wird. Im Mai 1827 war die nördliche Laden-Kolonnade am "Bowling Green" fertig, die das Kurhaus mit dem Sonnenberger Platz verknüpft. Kurz darauf, am 26. Juni, hatte auch das hier neugebaute Theater seine festliche Premiere. [...]

24. 9. 1828. Gegen den hessisch-preußischen Zollverein verbünden sich Kurhessen, Nassau, Hannover und Braunschweig mit Sachsen und den thüringischen Staaten zum "Mitteldeutschen Handelsverein".

11. 2. 1831. Der fast fertiggestellte, klassizistische Neubau einer katholischen Kirche am Wiesbadener Louisenplatz stürzt ein.

Herzog schickt Landtag nach Hause

2. Mai 1831. Im Konflikt um das nassauische Domäneneigentum vertagt Herzog Wilhelm den erst am 22. Februar zusammengetretenen Wiesbadener Landtag auf unbestimmte Zeit.
Die Krone beansprucht alle Domänen einschließlich der vordem kurmainzischen Güter im Rheingau als fürstliches Hausgut. Dem gegenüber sehen die Deputierten bereits seit dem ersten Zusammentreffen des Landtages (1818) das Domanialvermögen als Staatseigentum an. Sie wollen den Herzog aber für den Verlust der Abgaben von den früher leibeigenen Bauern entschädigen. In der revolutionär angeheizten Stimmung des Jahres 1830/31 hat der Präsident der Kammer, Georg Herber, den Streit mit dem Herzog durch Pressepublikationen verschärft. Der Herzog verfügt am 29. Oktober die Vermehrung der Sitze auf der von ihm beherrschten Herrenbank, um sich so eine parlamentarische Mehrheit zu sichern. Nach der Landtagswahl im Frühjahr 1832 demonstrieren 16 Abgeordnete durch Mandatsverzicht gegen den Verfassungsbruch.

14. 2. 1834. Der Franzose Antoine Chabert pachtet den Spielbankbetrieb in Wiesbaden, Bad Ems, Bad Schwalbach und Schlangenbad.

27. 7. 1834 Auf dem Steinhölzli bei Bern veranstaltet der geflüchtete "Wachenstürmer" Karl Schapper aus dem Nassauischen ein großes deutsches Handwerkerfest.

10. 12. 1835. Das Herzogtum Nassau tritt dem im Vorjahr gegründeten "Großen Deutschen Zollverein" bei.

10. 1./10. 2. 1838. Staatsvertäge zwischen dem Großherzogtum Hessen, der Stadt Frankfurt, Baden und Nassau regeln den Bau der Eisenbahnstrecken von Darmstadt und Frankfurt nach Mainz, Wiesbaden, Offenbach und Heidelberg/Mannheim.

26. 9. 1839. Der erste Abschnitt der neuen Taunuseisenbahn wird in Betrieb genommen.

22. 1. 1840. In Wiesbaden wird eine Landeskreditkasse für das Herzogtum Nassau errichtet. Sie soll vorrangig die mit dem Edikt vom 29. 1. geregelte Zehntablösung finanzieren.

Biebrichs Rheinhafen wird blockiert

28. Februar 1841. In der Dunkelheit überquert eine mit Steinen beladene Flotte von über 100 Mainzer Lastkähnen den Rhein, um vor der Einfahrt des Biebricher Hafens einen Sperrdamm aufzuschütten.
Geschickte Strombauten, die das Wasser zur rechten Rheinseite leiten, haben den Hafen in Biebrich als Umschlagplatz für Frankfurter Waren gut ins Geschäft gebracht, während der Umschlag in Mainz nach Abschaffung der althergebrachten Stapelrechte zurückgeht. Die mit Wissen der Darmstädter Regierung durchgeführte Aktion der Mainzer Schiffer erregt großes Aufsehen. Erst als Nassau die Wiederherstellung des alten Fahrwassers zusagt, läßt Hessen eine zweispurige Zufahrt freiräumen.

Palais nur für den Winter

November 1841. Herzog Wilhelm von Nassau und sein Hof beziehen für die Wintersaison erstmals das in vierjähriger Bauzeit errichtete neue Stadtschloß in Wiesbaden.
Schon lange ist der Kurort Hauptstadt und Regierungssitz des Herzogtums Nassau. Doch der Landesherr residiert im Barockschloß Biebrich am Rhein. Pläne für ein Stadtschloß in Wiesbaden reichen bis in die 1830er Jahre zurück. Als Standort für die zunächst geplant, repräsentative Anlage stand der Louisenplatz zur Diskussion. Im Zeichen der bürgermonarchie fiel die Entscheidung jedoch für ein Wohnpalais im Stadtzentrum:
Die Pläne für die architektonisch schwierige Ecklösung lieferte der Darmstädter Oberbaudirektor Georg Moller. Der Auftraggeber, Herzog Wilhelm, der das Land seit 1816 regierte, erlag am 20. August 1839 während der Kur in Bad Kissingen einem Schlaganfall. Der jetzt 24jährige Sohn und Nachfolger bewohnt das "herzogliche Haus am Markt" (so der Stadtplan) nur während der Wintermonate.

Adelsverein für die Kolonien in Texas

20. April 1842. Unter dem Protektorat Herzog Adolfs von Nassau gründet eine Gruppe von Mitgliedern hochadliger, zumeist standesherrlicher Familien, im Schloß Biebrich einen "Verein zum Schutz deutscher Einwanderer in Texas".
Der Freistaat Texas sucht zur Sicherung seiner erst 1836 gegen Mexiko erkämpften Unabhängigkeit Siedler. Der als Aktiengesellschaft organisierte Verein will deshalb dort billig Land kaufen und an eigene Siedler kostenlos abgeben, sonst gewinnbringend weiterveräußern. Auch die Errichtung einer geschlossenen deutschen Kolonie, in der die Siedler "neue Absatzwege für die Produkte der National-Industrie eröffnen", erscheint möglich. "Hauptzweck des Vereins" ist gemäß den Statuten die "Verminderung des Pauperismus" und die Unterbringung von Arbeitslosen.
Der zum Generalkommissar des Vereins bestellte Prinz Carl von Solms-Braunfels geht nach Texas und gründet mit den im Winter 1844/45 eintreffenden ersten Siedlergruppen den Landeplatz "Carlshafen" und die spätere Stadt "Neu-Braunfels". Als 1846 die Hauptwelle der Einwanderer landet, ist jedoch um Texas ein Krieg der USA gegen Mexiko ausgebrochen. Die notwendigen Fuhrwerke für die Reise in das zu weit im Innern angekaufte Siedlungsgebiet sind beschlagnahmt. Fast 5000 Menschen drängen sich in notdürftig hergerichteten Zelt- und Barackenlagern. Nur eine Finanzhilfe des Herzogs von Nassau und der Tatkräftige Einsatz des neuen Kommissars Otfried von Meusebach verhindern die Katastrophe. Ein Vertrag mit den Comanchen sichert die neuen Siedlungen am Pedernales-Fluß um Fredericksburg, so genannt nach Prinz Friedrich von Preußen. Aufs ganze gesehen bleibt das Unternehmen gleichwohl Episode.

28. 2. 1843. Im Hotel "Vier Jahreszeiten" in Wiesbaden findet die erste Generalversammlung des "Gewerbevereins für das Herzogtum Nassau" statt.

Ehen verbinden mit dem Zarenhof

26. März 1844. Ganz Wiesbaden feiert den Einzug von Herzog Adolf und Großfürstin Elisabeth, der Tochter des Zarenbruders Michael. Die beiden hatten am 31. Januar in St. Petersburg geheiratet.
An der Einmündung der Frankfurter in die Wilhelmstraße steht eine riesige Ehrenpforte. Die "Ehrengarde" der vermögenden Bürger, ein Schützen- und ein Musikkorps sind mit Beamten, Honoratioren und "Volk" aller Klassen zur Begrüßung angetreten. Ausgewählte "erwachsene" Töchter der Stadt überreichen ein auf Seide gedrucktes Gedicht. Beim abendlichen Fackelzug vereinen sich 625 Sänger aus 22 Vereinen des Landes zur Serenade. Die Anteilnahme der Bevölkerung ist noch größer, als die erst 18jährige Herzogin nach knapp einem Jahr im Kindbett stirbt. Bald erinnert nur noch die Gruftkapelle auf dem Neroberg an die Fürstin. [...]

8. 3. 1845. In Wiesbaden wird eine "deutschkatholische Zentralgemeinde für Nassau" begründet.

28. 8. 1846. In Wiesbaden wird die erste nassauische Gewerbeausstellung eröffnet. 288 Firmen präsentieren ihre Produkte.

2. 3. 1848. Ermutigt vom Sieg der Februar-Revolution in Paris - dem Sturz der Monarchie - beantragt Theodor Reh im Darmstädter Landtag einen grundlegenden Wechsel des Regierungssystems. In Wiesbaden verliest August Hergenhahn das Neun-Punkte-Programm des nassauischen Revolutionsausschusses.

März-Revolution läßt Volkszorn kochen

4. März 1848. Etwa 30.000 Menschen aus allen Teilen Nassaus strömen in Wiesbaden zusammen, um die Regierung zur Annahme der "Forderungen der Nassauer" zu zwingen. Die hitzige Unruhe steigert sich zu Rufen nach "Republik" und "Teilung des Eigentums nach Köpfen". Die vom Schloßbalkon verkündete Zusage des aus Berlin zurückgerufenen Herzogs läßt am Nachmittag den drohenden Sturm in Siegesjubel umschlagen. Zu den neun Forderungen gehören neben Presse- und Versammlungsfreiheit sowie die bereits vollzogene "Volksbewaffnung" die "sofortige Einberufung eines deutschen Parlaments". Ferner wird die endgültige Verstaatlichung der Domänen verlangt. [...]

Juni 1848. Eine in Darmstadt gedruckte Karte zur künftigen "naturgegebenen Einteilung" Deutschlands zeigt ein "Herzogtum Hessen" das die drei Regionen Hessen, Frankfurt und Nassau zusammenfaßt.

7.6. 1849. Mit August Hergenhahn tritt die nassauische "März-Regierung" zurück.

8. 8. 1850. Mit großen Festlichkeiten wird in Wiesbaden das Marmordenkmal der "Hygieia" enthüllt, das der hier geborene Bildhauer Karl Hoffmann in Rom geschaffen hat. Die Pläne für ein Denkmal in den Badeanlagen reichen bis in die frühen 20er Jahre zurück.

25. 11. 1851. Mit Aufhebung der nassauischen Reformverfassung vom 28. 12. 1849 wird das frühere Zweikammersystem des Landtags samt adligem Herrenhaus wiederhergestellt.

1. 1. 1854. Der nassauische Publizist und Volkskundler Wilhelm Heinrich Riehl, Verfasser von "Land und Leute", wird an die Universität München berufen.

Grabkapelle für Fürstin Elisabeth

25. Mai 1855. Die Särge der 1845 jung verstorbenen Herzogin Elisabeth von Nassau und ihrer Tochter werden in die neuerbaute russisch-orthodoxe, die sog. Griechische Kapelle auf dem Wiesbadener Neroberg überführt. Architekt ist Oberbaurat Philipp Hoffmann, der zur Vorbereitung 1846/47 nach Rußland geschickt wurde.

18. 2. 1857. Das Herzogtum Nassau erläßt eine neue Bergordnung und errichtet eine Bergschule in Dillenburg, die 1858 eröffnet wird.

8. 5. 1858. König Wilhelm III. der Niederlande und Herzog Adolf von Nassau stiften gemeinsam den Nassauischen Hausorden "Vom goldenen Löwen".

15. 11. 1858. Die nassauische Regierung erteilt Carl Burgeff in Hochheim die Genehmigung zur Gründung einer "Hochheimer Actiengesellschaft" zur Bereitung moussierender Weine.

21. 6. 1859. Der liberale Abgeordnete Karl Braun und zehn weiter Repräsentanten von Politik und Wirtschaft des Herzogtums Nassaus bekennen sich in der "Erklärung der Nassauer" zu einem preußisch geführten Nationalstaat.

22. 9. 1859. In Frankfurt findet die erste Generalversammlung der AG für Spinnerei und Weberei an der Hohen Mark statt, die nach der vom Herzogtum Nassau am 17.6.1857 erteilten Gründungsgenehmigung bei Oberursel die modernste Textilfabrik Hessens errichtet hat.

1. 3. 1863. Über 400 Liberale aus ganz Nassau beschließen das "Limburger Programm", das zugleich eine bundesstaatliche Einigung Deutschlands im Sinne der Frankfurter Reichsverfassung von 1849 fordert.

Kunst- und Gewerbeschau in Wiesbaden

19. Juli 1863. Im Marstallgebäude neben dem Wiesbadener Schloß wird eine "Allgemeine Nassauische Kunst- und Gewerbeausstellung" eröffnet. Sie soll die erzielten Fortschritte der Industrie des Landes dokumentieren.
Die seit 1860 laufenden Vorbereitungen des Nassauischen Gewerbevereins, der schon 1846/50 kleinere Ausstellungen in Wiesbaden gezeigt hat, wurden durch einen Zuschuß des Landtages unterstützt. 1317 Betriebe zeigen vor allem gewerbliche Erzeunisse. Die Besucher bestaunen die Sonderschau des Bergbaus sowie die Produkte der Schokoladen-, Likör- oder Seifenfabrikanten. Es gibt feuerfeste Geldschränke, chirurgische Instrumente, künstliche Zähne sowie eine 7 PS-Dampfmaschine zu sehen. Werden die Ausstellungsgegenstände berührt, läuten elektronische Signalapparate. Mit den verliehenen Auszeichnungen, 192 Medaillen mit dem Kopf Herzog Adolfs und 304 Ehrendiplomen, können die Firmen künftig für ihre Produkte werben.

Chemieindustrie sorgt für Arbeitsplätze

4. Juni 1862. Die nassauische Landesregierung erteilt Eugen Lucius, Wilhelm Meister und August Müller die beantragte Konzession zur Errichtung einer Anilin- und Anilinfarbenfabrik bei Höchst.
Den Anstoß für das Konsortium, zu dem ferner Adolf Brüning zählt, gaben die auf der Weltausstellung in London gezeigten Erfolge der in Großbritannien und Frankreich entwickelten Teerfarbenchemie. Erste Produkte der Fabrik sind Anilinblau und Fuchsinrot.
Das verkehrsgünstige Rhein-Main-Gebiet wird zum Zentrum der Chemieindustrie. 1863 gründet der Chemiker Wilhelm Kalle mit 100.000 Gulden Kapital eine zweite Farbenfabrik in Wiesbaden-Biebrich. Die am 1.10.1858 hier in der Biebricher Lohmühle etablierte Leim- und Kunstdüngerfabrik des Liebig-Schülers Heinrich Albert wurde 1861 in den Nachbarort Amöneburg verlegt. Dorthin verlagert auch Wilhelm Gustav Dyckerhoff 1864 die von Karl Brentano in der Hattenheimer Mühle im Rheingau entwickelte Zementproduktion.

17. 10. 1863. Das nassauische Gesetz über die Einrichtung von Handelskammern schafft die rechtliche Grundlage für die neuen Kammern in Dillenburg, Limburg und Wiesbaden.

Nassau: Protest des Landtags trübt Regierungsjubiläum

21. August 1864. Herzog Adolf von Nassau feiert mit dem bestellten Jubel des ganzen Landes sein 25. Regierungsjubiläum. Die väterlich-versöhnliche Rede, mit der er auf dem Neroberg den Bürgern der Residenz Wiesbaden für ihre Ovationen dankt, kann die Spannung im Lande nicht überdecken.
Die Deputiertenkammer des Landtags wird seit der letzten Wahl von den Liberalen der "Fortschrittspartei" beherrscht. Diese haben sich in ihrem "Limburger Programm" vom 1. März 1863 auf die Wiederherstellung der demokratischen Revolutionsverfassung von 1849 festgelegt. Die am 2. November 1864 verfügte Auflösung des Landtags verschärft die Situation. Bei den Neuwahlen Ende Dezember behaupten die Liberalen trotz Versammlungsverboten und Pressezensur ihre klare Zweidrittelmehrheit. Eine Zusammenarbeit mit der Regierung erscheint unmöglich.

8. 9. 1866. Herzog Adolf von Nassau, der sein Land bereits am 15.7. verlassen hat, verabschiedet sich von den noch bei Günzburg lagernden nassauischen Truppen.

Neue preußische Provinz Hessen-Nassau

3. Oktober 1866. Besitznahme-Patente König Wilhelms I. verkünden die Eingliederung des Kurfürstentums Hessens, des Herzogtums Nassau und der freien Stadt Frankfurt in die preußische Monarchie.
In Kurhessen und Nassau wird mit der Zustimmung der Bevölkerung gerechnet. Eine Bittschrift von 40 Industriellen und Abgeordneten der liberalen Opposition in Nassau vom 31. Juli ersuchte Preußen um "rückhalt- und bedingungslose Einverleibung". Auch Kassels Oberbürgermeister Friedrich Nebelthau signalisierte in einer Erklärung vom 5. September Verständnis für die "geschichtliche Notwendigkeit" der Annektion. Die Bürgerstolze und selbstbewußte Stadt Frankfurt tut sich sehr viel Schwerer.
Die preußischen Zivilkommissare für Kurhessen und Nassau werden am 22. Februar 1867 Regierungspräsidenten in Kassel und Wiesbaden. Zum Regierungsbezirk Wiesbaden gehören auch Frankfurt, Hessen-Homburg und die vom Großherzogtum Hessen abgetretenen Gebietsteile. Die bereits grundsätzlich entschiedene Zusammenfassung beider Bezirke unter dem Kasseler Präsidenten Eduard von Möller wird mit der offiziellen Bildung der "Provinz Hessen-Nassau" am 22. Dezember 1868 vollzogen.

3. 3. 1871. Bei der ersten Reichstagswahl erhalten im Großherzogtum wie in der Provinz Hessen-Nassau die Nationalliberalen die meisten Stimmen.

31. 12. 1872. Aufgrund eines norddeutschen Bundesgesetzes von 1868 endet der Spielbankbetrieb in Wiesbaden, Bad Homburg und Bad Nauheim zum Jahresende.

29. 6. 1875. Der Wilhelmsturm in Dillenburg wird eingeweiht. Der Turm auf den Ruinen des im 30jährigen Krieg zerstörten Schlosses soll an Wilhelm von Oranien erinnern.

16. 8. 1875. In Wiesbaden geht die erste Pferdebahn-Linie in Betrieb.

16. 4. 1879. In Wiesbaden werden die neuen Städtischen Krankenanstalten an der Platter Straße eröffnet.

28. 5. 1879. In Wiesbaden wird die im Zuge der Stadterweiterung errichtete Bergkirche eingeweiht.

21. 6. 1879. Der Mannheimer Hochschulprofessor Carl Linde gründet in Wiesbaden eine Eismaschinenfabrik.

1. 4. 1881. Mit Übernahme des Neubaus beginnt das preußische Staatsarchiv für Nassau seinen Umzug von Idstein nach Wiesbaden.

20. 4. 1882. Die deutsche Gesellschaft für innere Medizin hält ihre erste Tagung in Wiesbaden ab, das ständiger Ort der deutschen Internistenkongresse wird.

28. 9. 1883. Auf dem Niederwald bei Rüdesheim weiht Kaiser Wilhelm I. das für den Sieg im Deutsch-Französischen Krieg errichtete "Nationaldenkmal" ein.

8. 6. 1885. Mit der neuen Provinzial- und Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau werden die im Regierungsbezirk Wiesbaden aus nassauischer Zeit fortbestehenden Ämter aufgelöst.

18. 10. 1887. Drei Jahre nach der Grundsteinlegung tagt der Wiesbadener Stadtrat erstmals im Neubau des Rathauses. Der Entwurf stammt von Georg Ritter von Hauberisser.

25. 9. 1888. In Wiesbaden nimmt die als technisches Wunderwerk bestaunte Drahtseilbahn auf den Neroberg den Betrieb auf.

Adolf von Nassau regiert Luxemburg

9. Dezember 1890. Herzog Adolf von Nassau, der den angestammten Thron 1866 mit der preußischen Annektion seines Landes verloren hat, leistet vor dem luxemburgischen Parlament den Regenteneid als Großherzog von Luxemburg.
Auf dem Wiener Kongreß 1814/15 wurde das Großherzogtum dem ottonischen Zweig des Hauses Nassau zugewiesen und in Personalunion mit dem neuen Königreich der Niederlande verbunden. Dessen Herrscher war von da an zugleich Großherzog von Luxemburg. Der walramische Zweig erhielt ein Erbfolgerecht auf Luxemburg, falls die ottonische Linie im Mannesstamm aussterben sollte. Dieser fall tritt 1890 ein, als König Wilhelm III. der Niederlande ohne männliche Nachkommen stirbt. Seine Tochter Wilhelmine wird Königin der Niederlande, während Luxemburg dem Ex-Herzog von Nassau zufällt.
Herzog Adolf lebte seit 1866 als reicher Privatier vorwiegend auf seinem Schloß Hohenburg bei Lenggries in Oberbayern. Der neuen Aufgabe nimmt er sich mit großer Gewissenhaftigkeit und Besonnenheit an. Sorgsam achtet er während seiner fast 15jährigen Regentschaft auf die von der Verfassung gezogenen Grenzen. Mit patriarchalischer Würde widmet er sich der wirtschaftlichen und kulturellen Förderung des kleinen Landes, in dem er bis heute in hohem Ansehen steht.

Herausgeber Eckhart G. Franz, Copyright Chronik Verlag, Dortmund 1991

 
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