Die Hexenverfolgung in Idstein

Die Opfer der Hexenverfolgung

Zwischen dem 3. Februar 1676 und dem 31. März 1677 wurden in Idstein 39 Personen hingerichtet, 31 Frauen und 8 Männer. An den Pranger gestellt, mit Ruten ausgehauen und für immer des Landes verwiesen, insgesamt 4 Frauen.
In Idstein gewähren die Akten einen fast lückenloses Einblick in die Hexenprozesse. Das ist einerseits ebenfalls ein Ergebnis der Carolina, die die Gerichtsprotokolle vorschrieb. Andererseits hat das Hessische Staatsarchiv seinen Ursprung in der Idsteiner Kanzlei, in der vom Nachfolger des Grafen Johannes ein offizielles Archiv eröffnet wurde, das 1880 mit dem gesamten Bestand nach Wiesbaden umzog.

Die Hexenverfolgung in Idstein.

Die Prozeßwelle wird durch ein Kind ausgelöst, das angegeben hatte, daß seine Patin ihm das Mäuse und Eidechsen machen lehren würde. Da Graf Johannes vermutete, daß der Tod seiner zweiten Frau, der Tod seiner Kinder und auch das Viehsterben auf seinem Hofgut das Werk von Hexen gewesen seien, fanatische Prediger wie Pfarrer Wicht aus Heftrich oder der Burgschwalbacher Pfarrer Heymann die Ängste der Bevölkerung noch schürten und auf bestimmte Personen lenkten, fielen diese Anschuldigungen auf fruchtbaren Boden. Die Initiative ging aber nicht, wie an anderen Orten es oft geschah von der Bevölkerung aus, sondern geschah auf Initiative des Grafen Johannes.
Die Idsteiner Hexenverfolgung liegt am Ende der letzten großen Verfolgungswelle in Deutschland. Graf Johannes kannte sich aus, er besaß ein umfassendes theoretisches Wissen über das Hexenwesen, hatte Erfahrungen mit Hexenprozessen und kannte die Gefahren, die eine unkontrollierte Hexenverfolgung mit sich bringen konnte: Finanzieller Ruin ganzer Familien, Entvölkerung des Landes, Eindringen der Anklagen in höhere und höchste Kreise. Um diesen Gefahren vorzubeugen, nahm er selber die Angelegenheit in die Hand. Er ordnete jeden Schritt, den seine Beamten unternahmen selbst an, und ihm mußte über jeden Vorgang genaustens berichtet werden. Ohne seine Befehle lief im Idsteiner Hexenprozeß nichts. Vor allem dem finanziellen Ruin der betroffenen Familien beugte er vor, das Land hätte, da es sich noch von den Folgen des 30jährigen Krieges erholte, erneute Armut und wirtschaftliche Rückschläge nicht verkraftet. Darum sorgte der Graf dafür, daß die Erben der Verurteilten nicht in Armut gerieten und ließ ihnen ihren Besitz, die Prozeßkosten richteten sich nach dem Vermögen der Betroffenen. Natürlich verdiente trotzdem so mancher an den Verfolgungen. Interessant ist auch die Idsteiner Zielgruppe, der verhafteten Personen. Graf Johannes ließ sich alle Personen, bevor sie verhaftet wurden, von seinen Beamten vorschlagen. Die Namen stammten aus den erfolterten Geständnissen und aus persönlichen Anzeigen. Die meisten Angeklagten waren keine armen Menschen, unter den Männern war ein Gerichtsschreiber, zwei Gastwirte, ein Schlosser und ein Metzger; die Ehefrauen von Schultheißen, zwei Pfarrern und gräflichen Angestellten waren dabei. Die Hälfte der Frauen etwa waren Witwen angesehener Bürger, wie sich aus den Berufsangaben schließen läßt, bei einigen sind eigene Berufe vermerkt wie Schloß-Beschließerin, Hebammen, Leiterin einer Mägdleinschule. Nach heutiger Auslegung wohl überwiegend Angehörige des Mittelstandes. Hexenjäger suchten wohl hier ihre Opfer, da es an armen Leuten weniger zu verdienen gab. Bei einer Kuhhirtin wurde zum Beispiel auf die Hinrichtung verzichtet, obgleich es auch bei ihr genügend Indizien gegeben hätte. Ein Großteil der Angeklagten waren auch erst nach den Wirren des 30jährigen Krieges zugezogen. Bei einigen ist der Vorwurf, wegen Hexerei aus der Heimat vertrieben worden zu sein, Anklagepunkt und Gegenstand der Folter. Von zwei Frauen ist noch bekannt, daß sie katholischer Religion waren (Graf Johannes war mit Leib und Seele Protestant und enterbte seinen ältesten Sohn, nachdem dieser zum Katholizismus übertrat). Zum einen wurden die Opfer als fremdes Element in der Gemeinschaft angesehen, zum anderen, war bei ihrer Verfolgung nicht mit Widerstand aus der Bevölkerung zu rechnen.
Hauptzielgruppe waren die Frauen. Allerdings krankte das Land des Grafen Johannes seit dem 30jährigen Krieg an Unterbevölkerung. Bevölkerungswachstum war also höchstes Gebot, daher sollte die Hexenverfolgung keine Frau treffen, die noch Kinder bekommen konnte. Keine in Idstein hingerichtete Frau war unter 40 Jahre alt. Die einzige jüngere Angeklagte wurde nach wenigen ergebnislosen Verhören erstaunlich rasch entlassen und nach Hause geschickt. Da andere Frauen beharrlich gefoltert wurden und wenn sie entlassen wurden, des Landes verwiesen wurden, wird deutlich, daß an jungen Frauen kein Interesse bestand.
Die Idsteiner Hexenverfolgung betrieb Graf Johannes von 26. Dezember 1675 bis praktisch zu seinem Tode (23. Mai 1677). Am Anfang suchte er seine Opfer in Idstein, danach in Heftrich und ganz am Ende auch in Wiesbaden. In einem Zeitraum von einem Jahr und drei Monaten wurden 51 Personen der Hexerei angeklagt, 39 davon hingerichtet, bei drei Fällen ist der Ausgang unklar, da die Akten fehlen. Vier Frauen wurden des Landes verwiesen, drei Frauen gegen Kaution freigelassen und zwei Personen entließ man nach dem Tode des Grafen aus dem Gefängnis. Den Ablauf des Hexenprozesses regelte die Carolina, nach der die Beamten streng verfahren mußten. Anfangs bot sich den Idsteinern Bürgern alle 12 bis 14 Tage das makabre Schauspiel des Blutgerichts. Es bestand aus dem Amtskläger, einem Verteidiger und 14 Blutschöffen, unter ihnen die 12 Schultheiße (Bürgermeister) der umliegenden Ortschaften. Die Gefangenen wurden vorgeführt und dann verlas der öffentliche Ankläger die Anklagepunkte, die durch die Angeklagten durch ein "wahr" bestätigt werden mußten. Nachdem dies geschehen war, brach der Oberamtmann den Stab über sie und der Gerichtsschreiber verlas das vom Grafen schon unterzeichnete Todesurteil. Verteidiger und die Schöffen hatten nur eine Statistenrolle. Anschließend formierte sich ein prozessionsartiger Zug, der vom Geläut des Armensünderglöckchens begleitet wurde. Voran ging der "Vorgänger", dann folgte der Landesausschuß (ca. 50 Mann stark) unter dem Landeshauptmann Johann Sebastian Post. Es folgten die Karren der Todeskandidaten, bei denen die Geistlichen saßen, um sie auf diesem letzten Weg zu begleiten. Dahinter gingen die Bürger der Stadt. Unter der Leitung des Kantors folgten die Schüler, die aus erzieherischen Gründen der Hinrichtung beiwohnen sollten. Der gesamte Zug bewegte sich aus der Stadt heraus zu der Hinrichtungsstädte auf dem Galgenberg. Dort stand bereits Meister Leonhard, der Scharfrichter, um sein Amt mit dem Schwert zu verrichten. Die Verurteilten mußten sich mit gefesselten Händen auf den Boden knien, der Scharfrichter stellte sich hinter sie und versetzte ihnen den Todesstreich. Anschließend wurden die Leichname öffentlich verbrannt. Nur wenn der Graf ein Begräbnis gewährte, konnten die Angehörigen die Toten auf dem Wolfsbacher Friedhof, dem damaligen Verbrecherfriedhof, beisetzten.
Die Hexenverfolgung war ein Selbstläufer. Jede/r Angeklagte wurde unter der Folter gezwungen, Namen zu nennen. Die Genannten holte man dann ebenfalls und stellte sie unter Anklage. In den ersten drei Monaten der Idsteiner Hexenjagd funktionierte dieses System fehlerfrei. Schon vier Wochen nach den ersten Verhaftungen begannen die Hinrichtungen. Am 3. Februar starben zwei Menschen, am 12. Februar fünf, am 24. Februar vier, am 9. März wieder fünf und am 22 März drei. In den ersten drei Monaten kamen 19 Menschen um, fast die Hälfte aller Opfer in Idstein. Diese auf Hochtouren laufende Prozeßmaschine überforderte die Idsteiner Gegebenheiten. Besonders wenn Hinrichtungen bevorstanden, mußte eine größere Zahl von Gefangenen bewacht und verhört werden, da die neuen Opfer noch mit den bereits zum Tode Verurteilten konfrontiert werden sollten, denn das Gesetz verlangte Zeugen der Tat, das heißt, daß die erfolterten Anschuldigungen den neu Beschuldigten ins Gesicht gesagt werden mußten. Wenn die herkömmlichen Gefängnisse in den Stadttoren und im Kanzleigebäude besetzt waren, sperrte man die neu Angeklagten in die leerstehenden Häuser von bereits Hingerichteten. Die Beamten des Grafen arbeiteten ohne Unterlaß. Die Verhörprotokolle und Berichte mußten täglich den in Wiesbaden weilenden Grafen weitergereicht werden, der wiederum prompt antwortete und Anweisungen erteilte. Die Opfer wurden stellenweise schon nach sechs bis neun Tagen Haft hingerichtet.

Wie sehr die Hexenverfolgung von der Person des Grafen abhing, zeigt sich an der Verzögerung die im März eintritt, in der Zeit, in der die Gesundheit des Grafens nicht die Beste ist. Zwischenzeitlich kam es auf der Seiten der Opfer zu einer Art Widerstandbereitschaft, ausgelöst wohl durch die Tatsache, daß die alte Marie vom Viehhof allen Foltern widerstanden hatte und, da man sie ohne "Geständnis" nicht hinrichten wollte, freigelassen und des Landes verwiesen wurde. Drei oder vier danach Inhaftierte folgten ihrem Beispiel und kämpften um ihr Leben. Jeder auf seine Weise. Der reiche Bürger Fritz Schott berief sich auf einen Formalprozeß und einen Anwalt, den der Graf ihm zustand, Margarethe Hartmann, hielt alle Foltern aus, ohne sich ein "Geständnis" entreißen zu lassen. Die dritte, Anna Romprecht, stellte sich zunächst schwanger (schwangere Frauen durften nicht gefoltert werden) und ließ sich später, ebenso wie Margarethe Hartmann weder durch Folterung noch durch längere Haft im Verließ des Hexenturms beeindrucken. Die beiden Frauen wurden öffentlich ausgepeitscht und des Landes verwiesen. Fritz Schott verblieb bis nach dem Tode des Grafens in Haft.
Nach Ostern ging die Hexenverfolgung weiter. Eines der Opfer erstach sich im Gefängnis mit einem Brotmesser, nachdem sie in grausamer Weise gefoltert worden war. Ohne Mitleid mit ihren Angehörigen ließ der Graf ihren Leichnam öffentlich durch die Straßen zum Richtplatz schleifen und dort verbrennen.
Verlangsamt, aber unbeirrt, nahm die Hexenjagd ihren Fortgang. Pfarrer Heymann aus Burgschwalbach zeigte drei Frauen aus seiner Gemeinde an. Diese und ein Mann aus Burgschwalbach wurden hingerichtet. Sieben Opfer wurden aus Wehen und Neuhof geholt. Nur eine, die die Kraft hatte, allen Folterungen zu widerstehen, entkam der Hinrichtung. Aus Wiesbaden wurden zwei Mädchen (neun und elf Jahre), ihre Mutter und Großmutter geholt, aber aufgrund der vom Graf Johannes gesetzten Altersgrenze wurde "nur" die Großmutter als Hexe hingerichtet.
Im Oktober stirbt eine Tochter des Grafen, Graf Johannes selbst ist schon todkrank. Dennoch ließ er im Dezember noch einmal zwei Frauen hinrichten. Um die Weihnachtszeit verlegte sich der "Holländische Krieg" nach Idstein, aufgrund der Einquartierungen geraten die Hexenprozesse etwas in den Hintergrund. Drei Personen saßen nach wie vor in Haft: Fritz Schott, Maria, die Holländerin genannt und Philipp Pflüger. Im März 1677 starb eine weiter Tochter des Grafens. vielleicht hat der Graf auch diese Todesfälle für Hexenwerk gehalten. Am Todestag wurde das letzte Opfer der Idsteiner Hexenverfolgung hingerichtet: Der Wiesbadener Metzger Philipp Pflüger. Danach scheinen vom Grafen keine Befehle mehr erfolgt zu sein, die letzten beiden Gefangenen bleiben unbehelligt. Die Erkrankung des Grafen war offensichtlich. Am 23. Mai stirbt er.
Der neue Herr und Vormund des erst 12jährigen Erbfolgers wird Johann Casimir von Leiningen. Am 31. August wird die Holländerin freigelassen und schließlich auch Fritz Schott. Mit dem Regierungsantritt des neuen Herrschers war die Hexenjagd beendet.

Die Opfer der Hexenverfolgung in Idstein 1676/77

hingerichtet am 3. Februar 1676
1. Katharina Häuser, "die Wiesenfrau", etwa 60 Jahre alt, aus Idstein - Frau des gräflichen Wiesenmanns
2. Eva Heinemann, "die Rothköpfin", 60 Jahre alt, aus Niederseelbach - Witwe des Niclas Heinemann

hingerichtet am 12. Februar 1676
3. Margarethe Werner, "die schwarze Fritzin", 60 Jahre alt, aus Dasbach - Witwe des Fritz Werner
4. Johann Nikolaus Rossel, 68 Jahre alt, aus Idstein, Keller (Buchhalter) und Gerichtsschreiber
5. Hans Georg Beuerbach, 71 Jahre alt, aus Idstein, Schneider und Ratsverwandter
6. Elisabeth Beuerbach, über 60 Jahre alt, aus Idstein - Frau es Hans Georg Beuerbach
7. Dorothea Zerweck, "die alte Dorthe vom Schloß", aus Idstein, Schloßbeschließerin

hingerichtet am 24. Februar 1676
8. Anna Maria Zahn, "die alte Zahnhansin", aus Idstein - Witwe des Hofglasers Johann Zahn
9. Magdalena Margarethe Thiel, "die neue Schusterin", aus Idstein - Witwe des Schusters und Gerichtsmanns Thiel
10. Maria Wex, "die alte Schultheißin", über 60 Jahre alt, aus Heftrich - Frau des Schultheißen und Blutschöffen Balthasar Wex
11. Anna Margarethe Fey, 46 Jahre alt, aus Heftrich - Frau des Johann Balthasar Fey

hingerichtet am 9. März 1676
12. Anna Magdalena Schneider, "die Schulmeisterin", 40 Jahre alt, aus Heftrich - Witwe des Schullehrers, Schwester der Pfarrfrau
13. Gottfried Meinhard, 61 Jahre alt, aus Idstein, Wirt Zum Hirschen und Gerichtsschöffe
14. Margarethe Müller, "die alte Sattlerin", aus Idstein - Witwe des Rektors Johann Müller
15. Maria Meinhard, aus Idstein - Frau des Gottfried Meinahrd
16. Anna Limbacher, (alt), aus Idstein, Hebamme - Witwe des Michael Limbacher

hingerichtet am 22. März 1676
17. Anna Christina Hosius, "die Hosiin", etwa 40 Jahre alt, aus Idstein - Frau des gräflichen Landbereiters Hosius
18. Cäcilie Zeitlose Wicht, "die Pfarrfrau von Heftrich", 50 Jahre alt, aus Heftrich - Frau des Pfarrers Wicht
19. Katharina Wölfinger, "die Platzkrein", (alt), aus Idstein, Hebamme - Witwe des Johann Wölfinger

hingerichtet im April 1676 (die Daten sind nicht bekannt)
20. Balthasar Moises, 69 Jahre alt, aus Idstein, ehemaliger Wirt Zum Löwen
21. Anna Katharina Moises, aus Idstein - Tochter des Balthasar Moieses
22. Margarethe Wirtz, "die Endresin" (begeht Selbstmord im Gefängnis), aus Heftrich - Frau des Andreas Wirth

hingerichtet am 9. Mai 1676
23. Katharina Richter, 70 Jahre alt, aus Burgschwalbach - Frau des Michel Richter
24. Anna Margarethe Metz, "die Kuhhirtin", (alt), aus Wehen - Frau des Jacob Metz
25. Anna Dorothea Emmerich, "die alte Kellerin", 69 Jahre alt, aus Wehen - Frau des Kellers Georg Emmerich

hingerichtet am 3. Juni 1676
26. Margarethe Fließenbarth, 75 Jahre alt, aus Wehen - Witwe des Schultheißen Caspar Fließenbarth
27. Elisabeth Herrmann, "die Hans Friedrichsin", (alt), aus Wehen - Frau des Hans Friedrich Herrmann
28. Anna Küffer, "die alte Wagnerin", 60 Jahre alt, aus Burgschwalbach - Witwe des Wagners Michael Küffer

hingerichtet am 23. Juni 1676
29. Anna Elisabeth Seel, "die alte Schultheißin", aus Burgschwalbach - Witwe des Schultheißen Seel
30. Anna Schäfer, "das Bürgännchen von Neuhof", über 70 Jahre alt, aus Neuhof - Witwe des Johannes Schäfer

hingerichtet am 3. August 1676
31. Anna Catharina Weiland, 51 Jahre alt, aus Idstein - Witwe des Präsenzmeisters Paul Weiland
32. Hans Caspar Klöppel, 66 Jahre alt, aus Burgschwalbach, Schlosser
33. Christine Halben, "die Gumpfen Christine", aus Wiesbaden - Witwe des Philipp Halben

hingerichtet am 23. Augsut 1676
34. Adam Fließenbarth, über 60 Jahre alt, aus Wehen, ehemals Soldat

hingerichtet am 30. September 1676
35. Elisabeth Hoffmann, "die Pfarrerin im Bock", 69 Jahre alt, aus Sonnenberg - Frau des Pfarrers Johannes Hoffmann
36. Hans Fritz Kesselring, "der scharfe Fritz", (alt), aus Wiesbaden

hingerichtet am 16. Dezember 1676
37. Agnes Kindermann, ehem. Leiterin der Mägdleinschule, 72 Jahre aus Wiesbaden - Witwe des Glöckners Matth. Kindermann
38. Margarethe Vollen, (alt), aus Wiesbaden - Frau des Albert Vollen

hingerichtet am 31. März 1677
39. Philipp Pflüger, 62 Jahre alt, aus Wiesbaden, Metzger und Gerichtsmann

An den Pranger gestellt, mit Ruten ausgehauen und für immer des Landes verwiesen:
1. Maria Zorn, "die alte Marie vom Viehhof", aus Idstein (März 1676)
2. Anna Bücher, "die Bücherin", 50 Jahre alt, aus Wehen - Frau des Johann Bücher (Juni 1676)
3. Margarethe Hartmann, "die Görgin", aus Heftrich - Witwe des Georg Hartmann (Juni 1676)
4. Anna Appolonia Remprecht, "Anna Appel", 50 Jahre alt, aus Idstein - Witwe des Malers Lorenz Remprecht (Sept. 1676)

Johannes, Graf zu Nassau, Saarbrücken und Saarweden, Herr zu Lahr, Wiesbaden und Idstein

Graf Johannes war protestantischer Regent, Oberhaupt seiner Kirche und oberster Richter seiner Untertanen. Er besaß jegliche Machtbefugnisse in seinem kleinem Gebiet. Für die Durchführung der Idsteiner Hexenverfolgung war er alleine verantwortlich. Sie begann auf seinen Befehl hin, er selbst überwachte jeden Schritt seiner Beamten, erst mit seinem Tode endete die Hexenjagd. Er war ein "Durchschnittsregent" seiner Zeit: Gebildet - aber kein revolutionärer Denker, kunstverständig - aber zu geizig, um als Verschwender zu gelten; fleißig und pflichtbewußt .- dabei aber oft unbeweglich und altmodisch; entschlossen und tatkräftig - aber im provinziellem Denken befangen. Er war kein Frauenhasser, rücksichtsloser Despot oder Ausbeuter seiner Untertanen.
Graf Johannes besaß einige Eigenschaften, die ihn zum Hexenjäger prädestinierten: Er war ein treuer Anhänger seiner evangelischen Kirche, ein verantwortungsbewußter Landesherr, er hatte ein Faible für die Gerichtsbarkeit und verfügte über eine, für einen 73 jährigen erstaunliche, Tatkraft. Keine unbedingt schlechten Eigenschaften für einen Landesherren - aber in Zeiten, in denen eine Terrormaschinerie bereitstand, wie die juristisch und moralisch abgesicherte Praxis der Hexenverfolgung sie darstellte, genügte ihr Zusammentreffen, um das Verhängnis in Gang zu setzen. Das System war längst perfektioniert, seine Anwendung nahezu unbedenklich. Es bedurfte keine Bösewichte, um eine Massenvernichtung zu bewirken. Ein schlichter "Durchschnittsregent" wie Johannes genügte.

Lebensdaten
1603 Johannes in Saarbrücken geboren. Sein Vater, Ludwig von Saarbrücken, besitzt durch Erbschaft alle walramschen Gebiete, das sind: Saarbrücken, Weilburg und Idstein.
1618 Beginn des 30jährigen Krieges.
1627 Tod des Vaters, die Söhne teilen sich das Erbe, Johannes erhält Idstein.
1629 Heirat mit Sibylla Magdalena von Baden Durlach
1630 Hexenverfolgung auf seinem Gebiet. Johannes weist die Pfarrer an, gegen das Hexenunwesen zu predigen.
1632 Bündnis mit den Schweden. Johannes aktiv an Beratungen und Kriegführung beteiligt.
Die Pest in Idstein.
1635 Nach Niederlagen Schwedens und seiner Verbündeten entzieht Kaiser Ferdinand Johannes und seinen Brüdern ihre Länder.
1635 Exil in Metz und Straßburg. Bis 1646 herrschen in Idstein Hunger, Seuchen und Soldatenwillkür.
1644 Gräfin Sibylla Magdalena stirbt mit 39 Jahren.
1646 2. Ehe mit Anna zu Leiningen Dachsberg, Rückkehr nach Idstein.
1648 Der Westfälische Frieden beendet den 30 Jährigen Krieg.
1653 Der älteste Sohn wird katholisch, Johannes verstößt ihn.
1658 Hexenverfolgung im Land Nassau unter Amtmann Plebanus.
1665 Geburt des Sohnes Georg August Samuel, dem späteren Nachfolger.
1666 Beginn der Arbeiten an der Idsteiner Kirche
Die Pest in Idstein.
1668 Gräfin Anna stirbt mit 43 Jahren.
1672 Johannes bemüht sich um die Reichsfürstenwürde.
1676 Hexenverfolgung in Idstein, Aufrichtung des Hochaltars in der Idsteiner Kirche.
1677 Johannes stirbt mit 74 Jahren.
Graf Johannes schildert in seinem "Politischen Testament" das Regentenamt als eine Aufgabe, für deren Erfüllung ein Regent später vor Gott Rechenschaft ablegen muß. Er nahm seine Aufgabe sehr ernst. Er kannte sich aus in der Rechtsprechung seiner Zeit, kontrollierte seine Beamten und rühmte sich, auch die Klagen der "geringen" Untertanen gehört und ihnen zu ihrem Recht verholfen zu haben. Bei erwiesener Schuld allerdings waren die Strafen, dem Gebrauch der Zeit entsprechend, grausam. Hexenverfolgung durchzuführen war eine der Obliegenheiten eines verantwortungsbewußten Herrschers nach Gottes Willen. Ohne Zweifel wußte er, das andere Regenten Bedenken gegen Hexenverfolgung hatten. Er selbst hatte Fälle erlebt, in denen den Richtern die Unschuld einer Angeklagten vor Augen geführt wurden, aber der starrsinnige 73jährige gedachte, durch strenge Anwendung der Gesetze, solche Irrtümer zu vermeiden.

Quelle: Unbekannt (Internetseite ohne Impressum und aktuellen Kontakt)

Literaturhinweis zum Thema:

Den Hexen auf der Spur... Über Hexenprozesse am Beispiel Idstein 1676;
Gilla Flothmann, Hilke Müller, Ilse Schollmeyer, Maria Stoltefaut;
Verlag Hexenbuchladen GmbH, Obergasse 10 65510 Idstein, Copyright 1986;
ISBN 3-926305-00-2

 
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