Graf Johannes von Nassau-Idstein

Der Regent

Graf Johannes hatte nach einer vielseitigen, durch Beginn des 3Ojährigen Krieges aber stark beeinträchtigten Ausbildung 1629 die Regierung angetreten und die jüngere nassau-idsteinische Linie mit Idstein als Residenz begründet.
Er war überzeugter Lutheraner und mußte 1634, nach der für die protestan-tische Union verlorenen Schlacht bei Nördlingen, auf kaiserlichen Befehl seine Ländereien verlassen. Erst Ende 1646 kehrte er aus dem Exil in seine entvölkerte und verwüstete Herrschaft zurück.
Mit Energie und Verwaltungstalent brachte er zuwege, dass schon binnen weniger Jahre die Bevölkerungszahl wieder anstieg, Verwaltungs-, Kirchen- und Schulwesen geordnet waren. Das Badewesen in Wiesbaden und Schlangenbad konnte wieder aufgenommen werden. Die Michelbacher Hütte wurde errichtet.
Graf Johannes hinterließ zwei bedeutende eigenhändige Schriftstücke: ein politisches Testament, in dem er allgemein und im Detail seine Erfahrungen als Regent wiedergibt und Ratschläge erteilt, und eine "lnstruction vor einen künftigen Regenten, in der er in aller Eindringlichkeit seine Lebensmaximen darlegt, wie zum Beispiel "Regenten sind Gottes Amptleut, "Obrigkeit muß Gottes Wort, die inn sein Vatterlandt gebräuchliche Rechten wissen, "der Underthanen Lieb muß nicht durch Übersehung der Laster gesucht werden ? und andere strengklingende Grundsätze mehr, aber auch "sich hütten, die Underthanen zu beschweren so viel wie möglich, in 39 einzelnen Punkten und weiteren 21 dichtbeschriebenen Seiten hinterläßt er seinen Erben sein Vermächtnis.

Vor diesem streng pflichtbewußten und dennoch unverkennbar fürsorglichen Hintergrund wird ein Charakterzug des Grafen für Menschen des 21. Jh. zwar nicht leichter nachvollziehbar, erhält aber möglicherweise eine Erklärung: er glaubte fest an die Existenz von Hexen und ihre Fähigkeit, Gutes wie auch Böses zu bewirken. So setzte er, aus Verantwortungsbewusstsein für das Seelenheil seiner Landeskinder und un-terstützt von Kirche und Beamtenschaft, rigorose Hexenprozesse in Gang.

Der Familienvater

Graf Johannes heiratete 1630 in erster Ehe die Markgräfin Sibylla Magdalena von Baden-Durlach (1605-1644). Aus dieser Ehe gingen sechs lebende Kinder hervor. Die Gräfin und drei der Kinder starben im Exil in Straßburg. Zwei Jahre später schloss Graf Johannes eine Ehe mit Gräfin Anna von Leiningen-Dachsburg (1625-1668), mit der er zehn lebende Kinder hatte.
Nur drei der zahlreichen Kinder überlebten den Grafen, nämlich die beiden Töchter Johannetta (1657-1733), verh. Gräfin von Waldeck, und Dorothea Amaha (1661-1714), verh. Gräfin Wied-Runkel, sowie als einziger Sohn der spätere ldsteiner Fürst Georg August Samuel (1665-1721), der beim Tod seines Vaters erst zwölf Jahre alt war.

Der Förderer der Künste

Graf Johannes sammelte bereits in jungen Jahren Kunst, die er entweder auf Messen oder in Ateliers kaufte oder Künstlern in Auftrag gab. Nach seinem Tod wurde der Umfang seiner Galerie mit rund 300 Gemälden beziffert.

1646 begann er mit der Anlage eines Lustgartens im ldsteiner Schlossbering. Die meist exotischen Pflanzen sowie die Laubengänge und künstlichen Grotten mit reicher Innenausstattung und Was-serspielen ließ er durch Hofmaler im Bild festhalten. Die Abbildungen sind heute im Besitz der Bibliotheque Nationale de France in Paris und des Victoria & Albert Museums in London.
In seinem letzten Lebensjahrzehnt ließ der Graf die Stadt- und Hofkirche (seit 1917: Unionskirche) umgestalten.

Christel Lenz, Jahrbuch des Rheingau-Taunus-Kreises 2002, Herausgegeben vom Kreisausschuß des Rheingau-Taunus-Kreises

 
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