Nassaus ewige dynastische Teilungen

Die Geschichte des Hauses Nassau wird durch eine Vielzahl von Teilungen bestimmt, die dazu führten, dass das Haus Nassau sowohl in der deutschen als auch in der europäischen Geschichte niemals eine so herausragende Position einnehmen konnte wie andere Dynastien.

1255: Die "prima diviso"

Die große und durch die Jahrhunderte fortwirkende erste Teilung fand bereits im Jahre 1255 statt. Damals teilten die Brüder Otto (+1289) und Walram (+1266/74) das von ihrem Vater, Heinrich dem Reichen, ererbte Territorium entlang der Lahn. Otto nahm die Gebiete nördlich der Lahn und erhielt mit dem erz- und eisenschaffenden Siegerland den wertvolleren Part, Walram blieben die Gebiete südlich des Flusses. Gemeinsam war beiden Linien die Stammburgen Laurenburg und Nassau.
Diese Teilung, die sog. "prima diviso", bestimmte fortan das Schicksal des Hauses. Otto gründete die ottonische Linie; deren Nachkommen sich nach der Erbschaft des Fürstentums Orange im Jahre 1544 "Oranien-Nassau" nannten und 1815 die Königswürde in den Niederlanden annahmen. Auf Walram geht die walramische Linie zurück, deren Nachkommen seit 1890 das Großherzogtum Luxemburg regieren. Aus der walramischen Linie ging mit dem Grafen Adolf 1292 der einzige deutsche König aus dem Hause nassau hervor. Außerdem stellte sie den Trierer Kurfürst und Erzbischof Diether sowie im 14. Und 15. Jahrhundert vier Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz. Doch die Teilungen setzten sich fort.
1355 kam es in der walramischen Linie zu einer erneuten Teilung. Adolf (1307-70) begründete die Wiesbaden-Idsteiner und Johann (1309-71) die Weilburger Linie. In der Wiesbaden-Idsteiner Linie kam es 1408 zur begründung eines eigenen Idsteiner Zweiges, der aber 1508 bereits ausstarb. Doch 1558 erfolgte erneut eine Abspaltung eines Idsteiner Zweiges, der bereits 1566 wieder an die Ursprungslinie zurückfiel.

Große Erwerbungen

Die Weilburger Linie hatte größere Erfolge. 1381 erbte Philipp I. die Graf-schaft Saarbrücken. 1393 gelang es ihm, in der Pfalz Kirchheim-Bolanden und Stauf zu erwerben sowie 1405 Neuweilnau. Doch schon 1442 kam es auch hier zur Aufteilung unter den Söhnen:
Johann II. (1423-72) erhielt die Grafschaft Saarbrücken; sein Sohn Johann Ludwig I. konnte 1527 zusätzlich Saarwerden, Lahr in Baden und Mahlberg erwerben. Philipp II. (1418-92) erhielt Weilburg. Beide Linien wurden 1574 vereint. Doch hatte diese Vereinigung keinen Bestand.
Unter Graf Ludwig II. (1565-1627), der von Saarbrücken aus regierte, waren alle walramischen Territorien in einer Hand, nachdem 1605 Nassau-Idstein angefallen war. Infolge der damaligen kriegerischen Verhältnisse erfolgte 1629 unter seinen Söhnen die Teilung in Wiesbaden-Idstein (Johannes (1603-1677), Saarbrücken (Wilhelm Ludwig (1590-1640) und Weilburg (Ernst Casimir (1607-55).
Bereits 1659 teilte sich der Zweig Nassau-Saarbrücken in die Linien Saarbrücken (Gustav Adolf, gef. 1677), Ottweiler (Johann Ludwig, 1625-90) und Usingen (Walrad, 1635-1702).

In den 20er und 30er Jahren des 18. Jahrhunderts kam es zu einer neuen Aufteilung. Mit dem Tode von Fürst Georg August Samuel endete 1721 die Idsteiner Linie und gelangte unter Friedrich Ludwig (1651-1728) an Nassau-Ottweiler. 1723 starb die Saarbrücker und 1728 die Ottweiler Linie aus, so dass nur noch die Usinger Linie unter Walrads II. Enkel, Carl I. (1712-75), übrig blieb.
Dieser teilte 1735 den Gesamtbesitz mit seinem Bruder Wilhelm Heinrich II. (1718-68) in die Usinger Linie mit den Besitzungen auf dem rechten Rheinufer und die Saarbrücker Linie auf dem linken Rheinufer. Diese Linie starb mit Fürst Heinrich (1768-97) aus. Die linksrheinischen Besitzungen gingen verloren.

1744 hatte Fürst Carl die Residenz aus dem im hinteren Taunus gelegenen Usingen nach Biebrich verlegt.
1783 hatte Fürst Carl Wilhelm von Nassau-Usingen (1735-1803) mit Nassau-Weilburg und dem ottonischen Hauptstamm Oranien-Nassau-Diez den "Nassauischen Erbverein" geschlossen, der für alle nassauischen Linien den Vorrang der männlichen Nachkommenschaft vorsah.

Im 19. Jahrhundert

Mit Fürst Friedrich August stellte die Linie Nassau-Usingen im Jahre 1806 den ersten Herzog von Nassau. Da er keine männlichen Erben hatte, sollte ihm Fürst Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg nachfolgen Doch starb Fürst Friedrich Wilhelm wenige Woche vor seinem Vetter in Biebrich, so dass Erbprinz Wilhelm 1816 zunächst seinem Vater in Weilburg und dann seinem Onkel in Biebrich nachfolgte. Unter Herzog Wilhelm waren alle walramische Teile wieder vereint.
Nach seinem Tode trat 1839 sein Sohn Adolph als dritter Herzog von Nassau die Regierung an. Nach dem verlorenen Krieg von 1866 und dem Verlust des Herzogtums ging Herzog Adolph ins Exil.
1890 konnte er die Nachfolge des niederländischen Königs Willem III. als Großherzog in Luxemburg antreten, da die oranische Linie keinen männlichen Nachfolger hatte.
So ist das Haus Nassau mit dem regierenden Großherzog Henri noch heute in Luxemburg vertreten.

Dr. Rolf Faber, Jahrbuch des Rheingau-Taunus-Kreises 2002, Herausgegeben vom Kreisausschuß des Rheingau-Taunus-Kreises

 
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