Territorialer Bestand der nassauischen Fürstentümer

Am 30. August 1806 begann in der nassauischen Geschichte eine neue Epoche. Fürst Friedrich August von Nassau-Unsingen und Fürst Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg kamen überein, ihre beiden Fürstentümer zu einem Territorium zu vereinen, das sie zukünftig gemeinsam regieren wollten.
Die wichtigste Aufgabe war, aus den einzelnen Gebietsteilen ein einheitliches Staatswesen zu formen. Setzte sich doch das neue Staatsgebilde nicht nur aus den beiden Fürstentümern Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg zusammen, sondern auch aus mehr als 20 bisher selbständigen Teilen und Territorien.
Von Interesse ist aber, wie die territoriale Gliederung am zu Ende gehenden 18. Jahrhundert war, also vor den tiefgreifenden Umwälzungen, die die Revolutionskriege und die napoleonische Zeit gebracht hatten.
Das Fürstentum Nassau-Usingen setzte sich im Stammland aus den Ämtern Usingen, Idstein, Wehen und Wiesbaden zusammen und zwar
- das Amt Usingen mit Ausnahme des Gebietes um Cleeberg, Cransberg, Wehrheim und Reifenberg,
- das Amt Idstein mit Ausnahme des nördlichen Teils bis Camberg, Wirges und Steinfischbach, ferner Ober- und Niederjosbach, Bremthal und Vockenhausen,

- das Amt Wehen samt Ohren, Burgschwalbach, Dörsdorf, Eisighofen, Berghausen, Reckenroth (mit Ausnahme der Abtei Bleidenstadt) und
- das Amt Wiesbaden.
Hinzu kamen noch das Fürstentum Saarbrücken, die Herrschaft Ottweiler und 2/3 der Grafschsft Saarwerden sowie das Amt Lahr in Baden.
Zum Fürstentum Nassau-Weilburg gehörten:
- das Amt Weilburg mit Ausnahme von Mengerskirchen, Probbach, Dillhausen, Winkels, die zu Nassau-Oranien gehörten,
- das (alte) Amt Miehlen mit der vogtei Schönau,
- die Ämter Atzbach (bei Wetzlar) und
- Reichelsheim (in der Wetterau).
Dazu kamen noch auf der linken Rheinseite die Herrschaften Kirchheim-Boladen, Stauf und das Amt Alsenz am Donnersberg in der Pfalz und 1/3 der Grafschaft Saarwerden.
Seit 1799 gehörte das Gebiet der Grafschaft Hachenburg und die Sayn´schen Ämter Hamm und Schönberg zu Nassau-Weilburg.
Um die territoriale Abgrenzung abzuschließen, soll auch noch das Fürstentum Nassau-Oranien erwähnt werden. Dieses nahm den größten Teil des nördlichen Westerwaldes zwischen Lahn und Sieg und über letztere hinaus ein.

Zu den in alleiniger Verwaltung stehenden Gebieten kamen die sogenannten Gemeinschaften. Dabei handelte es sich um die Gemeinschaft Cleeberg zwischen Nassau-Weilburg und Hessen-Darmstadt, die Gemeinschaften Camberg und Wehrheim zwischen Nassau-Oranien und Kurtrier. Die Gemeinschaft Nassau gehörte allen drei nassauischen Fürstentümern, und die Gemeinschaft Ems neben den drei Fürstentümern auch der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.
Alles übrige Gebiet des späteren Herzogtums Nassau waren damals fremdes Eigentum.

Dr. Rolf Faber, Jahrbuch des Rheingau-Taunus-Kreises 2002, Herausgegeben vom Kreisausschuß des Rheingau-Taunus-Kreises

 
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